Der Umzug nach Mallorca beginnt nicht am Flughafen, sondern am Schreibtisch. Bevor du die Insel zu deinem Zuhause machst, entscheidest du in Deutschland über eine Reihe von Fragen, die später schwer zu korrigieren sind: Wann genau gibst du deinen Wohnsitz auf, was passiert mit deinem Depot, welche Konten und Verträge behältst du, und wie ordnest du Rente und Versicherung. Dieser Leitfaden gibt dir den Überblick und verweist an den richtigen Stellen auf die Detailartikel.
Was beim Wegzug auf dem Spiel steht
Ein Wegzug ist mehr als ein Tapetenwechsel. Mit dem Tag, an dem du deinen deutschen Wohnsitz aufgibst, ändern sich drei Dinge gleichzeitig: deine Meldeadresse, deine Steuerpflicht und dein Zugang zu vielen deutschen Finanzprodukten. Wer das nacheinander statt parallel plant, läuft in vermeidbare Lücken. Typische Beispiele sind ein gekündigtes Depot kurz nach der Abmeldung, eine vergessene letzte Steuererklärung oder eine Krankenversicherung, die in Deutschland endet, bevor die spanische greift.
Die gute Nachricht: Spanien ist ein EU-Land. Vieles, was bei einem Umzug in ein Drittland kompliziert wird, bleibt innerhalb der EU machbar. Renten werden in voller Höhe gezahlt, die Riester-Förderung bleibt erhalten, und für die Wegzugsbesteuerung gelten Erleichterungen. Trotzdem lohnt sich Planung, weil die einzelnen Bausteine zeitlich ineinandergreifen.
Die wichtigsten Stationen im Überblick
Sechs Bereiche bestimmen, ob dein Wegzug finanziell sauber läuft:
- Abmeldung und Behörden: Wohnsitz abmelden, Abmeldebescheinigung sichern, Post nachsenden lassen.
- Steuern: unbeschränkte Steuerpflicht beenden, letzte Erklärung einplanen, Wegzugsbesteuerung prüfen.
- Depot: Broker auf Auslandstauglichkeit prüfen, Fonds- und Aktienbestand steuerlich einordnen.
- Konten und Vorsorge: deutsches Konto behalten, Riester, Rürup und Lebensversicherungen klären.
- Versicherungen: Krankenversicherung für Spanien aufsetzen, überflüssige Verträge kündigen.
- Rente: Anwartschaften sichern, Auszahlung ins Ausland klären, Besteuerung verstehen.
Jeder dieser Bereiche hat einen eigenen Artikel. Dieser Leitfaden ordnet sie ein und zeigt die richtige Reihenfolge.
Abmeldung und Behörden
Der formale Startpunkt ist die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt. Wer alle Wohnungen in Deutschland aufgibt, muss sich nach dem Bundesmeldegesetz innerhalb von zwei Wochen abmelden. Frühestens eine Woche vor dem Auszug ist das möglich. Du bekommst eine Abmeldebescheinigung, die du anschließend immer wieder brauchst: beim Konsulat, beim Beitragsservice für den Rundfunkbeitrag, bei Banken und Versicherungen.
Die komplette Reihenfolge mit allen Behörden und Verträgen steht im Artikel Abmelden in Deutschland. Parallel dazu startest du auf der spanischen Seite mit NIE-Nummer, Empadronamiento und spanischer Steuernummer.
Tipp
Melde dich nicht zu früh ab. Solange du in Deutschland gemeldet bist, läuft vieles einfacher, vom Bankkonto bis zum neuen Reisepass. Stimme den Abmeldetag mit deinem geplanten Umzug ab und hebe die Abmeldebescheinigung gut auf, am besten auch als Scan.
Steuerlicher Wegzug
Mit der Aufgabe von Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt endet deine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland. Für das Wegzugsjahr gibst du noch eine deutsche Steuererklärung ab, danach bleibst du nur für bestimmte deutsche Einkünfte beschränkt steuerpflichtig. Ab deiner Ansässigkeit in Spanien versteuerst du dein Welteinkommen dort.
Zwei Sonderthemen verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie hohe Beträge auslösen können: die Wegzugsbesteuerung bei Beteiligungen ab einem Prozent und die seit 2025 erweiterte Regel für Fondsanteile. Beide laufen über eine fiktive Veräußerung, also eine Besteuerung, ohne dass du wirklich etwas verkaufst.
Die Details stehen in Steuerlicher Wegzug aus Deutschland, in Wegzugsbesteuerung für GmbH- und Aktienbeteiligungen sowie in Steuerpflicht in Spanien für die spanische Seite. Wie beide Länder zusammenspielen, klärt das Doppelbesteuerungsabkommen.
Aktien, ETF und Depot
Für ein normales Privatdepot aus Einzelaktien und ETF gibt es zwei getrennte Fragen. Erstens die praktische: Akzeptiert dein Broker einen Wohnsitz in Spanien. Viele deutsche Neobroker verlangen eine Meldeadresse in Deutschland und kündigen das Depot beim Wegzug. Zweitens die steuerliche: Einzelaktien unter einem Prozent Beteiligung lösen keine Wegzugsbesteuerung aus, für Fonds und ETF gilt aber seit 2025 eine eigene Schwelle.
Beide Punkte und die laufende Besteuerung in Spanien behandelt der Artikel Aktiendepot und ETF beim Wegzug ausführlich.
Konten, Versicherungen und Vorsorge
Ein deutsches Girokonto bleibt nützlich, etwa für deutsche Renten, Mieteinnahmen oder Rückerstattungen vom Finanzamt. Nicht jede Bank führt das Konto mit Auslandsadresse weiter, und private Vorsorgeprodukte reagieren unterschiedlich auf den Wegzug. Die Riester-Förderung bleibt innerhalb der EU erhalten, Rürup-Verträge laufen weiter, Bausparverträge und Lebensversicherungen brauchen einen genaueren Blick.
Welche Produkte du behältst, kündigst oder anpasst, steht in Deutsche Konten und Finanzprodukte beim Wegzug. Für die spanische Seite hilft Bankkonto in Spanien eröffnen. Bei der Krankenversicherung ist der wichtigste Punkt, dass die deutsche gesetzliche Versicherung mit dem Wegzug endet. Wie du auf Mallorca abgesichert bist, erklärt Krankenversicherung auf Mallorca.
Warnung
Plane keine Lücke bei der Krankenversicherung ein. Die deutsche GKV endet mit dem Wegzug, die spanische Absicherung muss nahtlos anschließen. Kläre das frühzeitig mit deiner Kasse und für Rentner zusätzlich das Formular S1.
Rente und Sozialversicherung
Deine Beiträge zur Deutschen Rentenversicherung sind nicht verloren. Die Anwartschaften bleiben erhalten, und ab fünf Jahren Beitragszeit hast du Anspruch auf eine Altersrente, die auch auf Mallorca gezahlt wird. Eine Auszahlung der Beiträge ist für Deutsche und EU-Bürger praktisch ausgeschlossen. Wer freiwillig weiter einzahlen will, kann das auch aus dem Ausland tun.
Was beim Wegzug mit deiner Rente passiert, behandelt Deutsche Rentenversicherung beim Wegzug. Wie der Rentenbezug auf der Insel praktisch läuft, steht in Rente auf Mallorca.
Zeitplan 12 Monate bis zum Umzug
Ein realistischer Ablauf verteilt die Aufgaben über das Jahr vor dem Umzug:
- Zwölf bis neun Monate vorher: Bestandsaufnahme von Vermögen, Beteiligungen, Verträgen. Erster Termin beim Steuerberater, idealerweise mit Erfahrung in Deutschland und Spanien.
- Neun bis sechs Monate vorher: Wegzugsbesteuerung und Fondsschwelle prüfen, Depot auf Auslandstauglichkeit checken, Krankenversicherung für Spanien planen.
- Sechs bis drei Monate vorher: NIE und spanische Steuernummer beantragen, deutsches Konto für die Zukunft festlegen, Riester, Rürup und Lebensversicherungen klären.
- Drei bis ein Monat vorher: Verträge kündigen oder umstellen, Post-Nachsendeantrag stellen, Umzug organisieren.
- Umzugsmonat: Abmeldung beim Einwohnermeldeamt, Empadronamiento in der neuen Gemeinde, Adressen bei Banken und Versicherungen ändern.
- Nach dem Umzug: letzte deutsche Steuererklärung vorbereiten, erste spanische Renta im Folgejahr einplanen, Modelo 720 für Auslandsvermögen nicht vergessen.
Wer diese Reihenfolge einhält, vermeidet die häufigsten Fehler: zu frühe Abmeldung, gekündigtes Depot, Versicherungslücke und steuerliche Überraschungen zwei Jahre nach dem Umzug. Mallorca wartet, aber der gut vorbereitete Wegzug entscheidet, ob der Neuanfang entspannt oder teuer wird.
Dieser Leitfaden ersetzt keine individuelle Beratung. Bei Beteiligungen, größeren Depots oder komplexer Vorsorge führt kein Weg an einem Steuerberater und gegebenenfalls einem Anwalt vorbei. Passende Ansprechpartner findest du im Dienstleister-Verzeichnis und unter Anwalt auf Mallorca.