Wer seinen Ruhestand auf Mallorca verbringt, will meistens zwei Dinge wissen: Wie kommt die deutsche Rente pünktlich auf das spanische Konto, und wer kassiert am Ende die Steuer. Beides klingt bürokratisch, ist aber mit ein paar Vorbereitungen gut zu handhaben. Dieser Artikel führt dich durch den Alltag als deutscher Rentner auf der Insel, von der ersten Überweisung bis zur jährlichen Steuererklärung.
Deutsche Rente im Ausland
Die Deutsche Rentenversicherung zahlt deine Rente weltweit aus. Entscheidend ist nicht, wo du wohnst, sondern wo dein Konto liegt. Du kannst die Rente auf ein deutsches Konto überweisen lassen und manuell nach Spanien transferieren, oder du gibst der Rentenkasse direkt dein spanisches IBAN.
Wer regelmässig in Spanien lebt, hat mit einem spanischen Konto weniger Reibung: Lastschriften für Strom, Wasser, Comunidad und IBI laufen nur über eine ES-IBAN. Viele nutzen zusätzlich ein deutsches Multibanking oder einen Transferdienst, um kurzfristig höhere Beträge umzubuchen, etwa für den Notar oder grössere Reparaturen.
Wichtig ist: Die Rente bleibt in voller Höhe erhalten. Es gibt keinen Auslandsabschlag, solange du eine Rente aus deutschen Beitragsjahren beziehst. Abweichungen gibt es nur bei bestimmten Rentenarten mit Hinterbliebenenbezug, bei Witwen- oder Witwerrenten mit zusätzlichem Einkommen und bei bestimmten Ausgleichsrenten.
Lass dir frühzeitig eine neue Rentenauskunft schicken, bevor du dich in Spanien anmeldest. So siehst du, mit welchem Brutto du planen kannst, und erkennst früh, ob private Zusatzrenten oder eine Betriebsrente dein Gesamtbild verändern.
Anmeldung und Lebensbescheinigung
Wenn du mehr als 183 Tage im Jahr in Spanien bist, wirst du dort steuerlich ansässig. Für den Rentenbezug solltest du spätestens nach dem Umzug:
- Ein spanisches Konto eröffnen und die Bankverbindung bei der Deutschen Rentenversicherung ändern.
- Deine Adresse in Spanien hinterlegen, damit Post zuverlässig ankommt.
- Die jährliche Lebensbescheinigung einreichen.
Die Lebensbescheinigung ist ein einseitiges Formular, das jedes Jahr kommt. Du bringst es zum Ayuntamiento, zum Notar oder zur deutschen Botschaft. Dort wird bestätigt, dass du noch lebst und an dieser Adresse wohnst. Ohne diese Bestätigung stellt die Rentenkasse die Zahlungen nach einer Erinnerung ein.
Für den Behördenweg brauchst du ein paar Basisdokumente:
- Gültiger Reisepass oder deutscher Personalausweis
- NIE-Nummer, am besten mit der aktuellen Empadronamiento-Bescheinigung
- Adressnachweis aus Spanien, wenn die Rentenkasse deine neue Adresse noch nicht kennt
Dauerhaft ansässige Rentner sollten sich zeitnah um die Residencia kümmern. Wie das geht und welche Schritte dazugehören, findest du unter Residencia und Aufenthaltsrecht und NIE-Nummer beantragen.
Besteuerung in Spanien
Als Rentner mit Wohnsitz Spanien fällst du unter die IRPF, die spanische Einkommensteuer. Sie ist progressiv aufgebaut und kombiniert einen staatlichen mit einem autonomen Anteil. Auf den Balearen gelten 2026 vier Tarifstufen, von rund 19 Prozent auf die ersten 12.450 Euro bis knapp 47 Prozent ab etwa 300.000 Euro Jahreseinkommen.
Für die Renta wichtig:
- Renten zählen zu den Rendimientos del Trabajo, also wie Einkommen aus Arbeit.
- Die deutsche gesetzliche Rente wird angegeben, auch wenn Deutschland das Besteuerungsrecht hat.
- Freibeträge für Rentner ab 65 Jahren mindern die Bemessungsgrundlage.
- Werbungskosten wie Kranken- oder Pflegeversicherungsbeiträge reduzieren das zu versteuernde Einkommen.
Die typische Erklärung läuft einmal pro Jahr zwischen April und Juni über die AEAT-Plattform Renta Web. Wer zum ersten Mal in Spanien erklärt, bucht am besten eine Stunde bei einer Gestoría oder einem deutschsprachigen Steuerberater. Die Grundeinrichtung klärt viele Fragen, die später jedes Jahr gleich bleiben.
| Einkommen in Euro | Balearen IRPF 2026 | Hinweis |
|---|---|---|
| bis 12.450 | ca. 19 Prozent | Grundstufe |
| bis 20.200 | ca. 24 Prozent | Mittlere Einkommen |
| bis 35.200 | ca. 30 Prozent | Durchschnittliche Renten |
| bis 60.000 | ca. 37 Prozent | Höhere Zusatzrenten |
| über 300.000 | ca. 47 Prozent | Spitzensteuersatz |
Die Tabelle ist eine Orientierung, keine Steuerberatung. Die genauen Stufen werden jährlich im Presupuestos Generales neu justiert, und Balearen-Zuschläge oder Abzüge verschieben die reale Belastung nach oben oder unten. Lass dich vor der ersten Renta beraten.
Doppelbesteuerung und DBA
Damit du nicht in zwei Ländern gleichzeitig voll besteuert wirst, gibt es das Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-Spanien. Für Renten ist die Aufteilung grob so:
- Gesetzliche Rente aus der DRV: Besteuerungsrecht liegt meist bei Deutschland. Spanien berücksichtigt die Rente bei der Progression, besteuert sie aber nicht doppelt.
- Betriebsrente und Pensionskassen: Wohnsitzprinzip, also Spanien besteuert.
- Riester- und Rürup-Renten: Wohnsitzprinzip, also Spanien besteuert.
- Private Kapitalrenten: Unterschiedlich, oft Spanien.
In der Praxis heisst das: Deine gesetzliche Rente wird in Deutschland veranlagt, du reichst dort weiter eine Steuererklärung ein. In Spanien gibst du dieselbe Rente an, bekommst aber eine Anrechnung über die Freistellung mit Progression. Mehr Details findest du im Artikel Doppelbesteuerungsabkommen.
Für grössere Vermögen lohnt sich ein Blick auf die Vermögenssteuer und die Solidaritätssteuer ISGF. Beides betrifft Rentner mit Immobilien- oder Depotvermögen und ist in den Artikeln Vermögenssteuer auf den Balearen und Steuerpflicht in Spanien beschrieben.
Gesundheitsversorgung als Rentner
Eine der wichtigsten Fragen: Wie bleibst du krankenversichert. Für gesetzlich Versicherte in der KVdR ist das zum Glück einfach geregelt.
- Du beantragst bei deiner deutschen Kasse das Formular S1.
- Du reichst es beim INSS in Palma ein, meistens in der Calle Avingudes.
- Der INSS stellt dir die Tarjeta Sanitaria aus.
- Du bekommst einen Hausarzt im öffentlichen System zugewiesen.
Ab dann zahlt die deutsche Kasse pauschal an das spanische System und du nutzt die Leistung vor Ort. Zuzahlungen für Medikamente liegen für Rentner auf einem reduzierten Niveau. Details dazu und was im öffentlichen System gedeckt ist, findest du in Krankenversicherung in Spanien und Apotheke auf Mallorca.
Privat Versicherte klären frühzeitig, ob ihre deutsche Police Auslandsaufenthalte über sechs Monate erlaubt. Oft ist ein Wechsel in einen Spanien-Tarif oder eine lokale Police günstiger. Eine Kombination aus öffentlicher Grundversorgung per S1 und einem Zahnzusatz ist für viele Rentner das beste Paket.
Praktische Schritte
Am Ende steht eine einfache Reihenfolge, die sich in der Beratung bewährt hat:
- Vor dem Umzug: Rentenauskunft neu ziehen, Einkommen aus allen Quellen auflisten, Kranken- und Pflegeversicherung klären.
- Im Umzugsmonat: Anmeldung in Deutschland prüfen, Abmelden in Deutschland sauber durchführen, Kontoverbindungen aktualisieren.
- Erste Wochen auf Mallorca: NIE und Empadronamiento beantragen, Residencia ansetzen, spanisches Konto eröffnen.
- Nach zwei bis drei Monaten: Rente auf spanisches Konto umstellen, S1 einreichen, Tarjeta Sanitaria abholen.
- Bis zur ersten Renta: Gestoría oder Steuerberater auswählen, Belege sammeln, Unterlagen vom deutschen Finanzamt sichern.
Viele Rentner unterschätzen, wie viel Papier in den ersten zwei Jahren anfällt. Ein A4-Ordner mit den Themen Rente, Steuer, Krankenversicherung, Konto und Wohnen reicht fast immer. Wer zusätzlich digitale Kopien in der Cloud hält, bleibt auch dann handlungsfähig, wenn der Briefverkehr zwischen Deutschland und Mallorca wieder einmal zwei Wochen braucht.
Wenn du Hilfe vor Ort brauchst, findest du im Verzeichnis unter Gestoría und Steuerberater Ansprechpartner, die mit deutschen Rentnern arbeiten. Damit sparst du Zeit und vermeidest teure Anfängerfehler bei der ersten spanischen Steuererklärung.