Mallorca

Vermögenssteuer in Spanien - Was auf den Balearen wirklich zählt

Aktualisiert: April 20268 Min. Lesezeit

Zusammenfassung

Wie die Impuesto sobre el Patrimonio in Spanien funktioniert, welche Freibeträge die Balearen haben und was die Solidaritätssteuer ISGF für grosse Vermögen bedeutet.

Die spanische Vermögenssteuer klingt dramatischer, als sie für die meisten Residenten am Ende ist. Entscheidend sind die Freibeträge, die Bewertung deiner Immobilien und die Wechselwirkung mit der Solidaritätssteuer ISGF. Dieser Artikel nimmt den Fall Mallorca konkret in die Hand, erklärt die Balearen-Besonderheiten und zeigt, wie du dein Vermögen sinnvoll durch die Renta 2026 bringst.

Vermögenssteuer in Spanien

Die Impuesto sobre el Patrimonio ist eine jährliche Steuer auf das Nettovermögen. Sie existiert seit 1991, wurde 2008 faktisch abgeschafft, 2011 reaktiviert und gilt seitdem jedes Jahr neu. Die Verwaltung liegt bei den autonomen Regionen, die Freibeträge und Tarife abweichend regeln dürfen.

Wichtig ist die Unterscheidung:

  • Residente: Du lebst mehr als 183 Tage pro Jahr in Spanien. Dein weltweites Vermögen zählt.
  • Nichtresidente: Du hast Vermögen in Spanien, aber keinen Hauptwohnsitz. Nur spanisches Vermögen zählt.

Stichtag ist der 31. Dezember des jeweiligen Jahres. Was du an diesem Tag hast, wird bewertet und als Bemessungsgrundlage angesetzt. Für dein erstes Jahr als Residente rechnen Steuerberater häufig eine Probeerklärung, um Überraschungen zu vermeiden.

Die Bewertungsregeln sind in Spanien oft günstiger als gedacht. Immobilien werden mit dem höchsten Wert aus Kauf, Kataster und steuerlicher Bezugsgrösse angesetzt, meistens liegt das deutlich unter dem realen Marktwert. Hebel zum Sparen liegen vor allem in der sauberen Dokumentation, nicht in Tricks.

Freibeträge und Berechnung

Für Residente gilt 2026 folgende Grundstruktur:

  • 700.000 Euro allgemeiner Freibetrag pro Person
  • 300.000 Euro zusätzlicher Freibetrag für den Hauptwohnsitz pro Eigentümer
  • Paare können ihre Freibeträge addieren, wenn beide Residente sind

Das bedeutet: Eine verheiratete Residente-Familie mit eigenem Haus auf Mallorca hat bis 2 Millionen Euro Vermögen grundsätzlich freigestellt (je 700.000 plus je 300.000 für die Hälfte des Hauses, sofern je zur Hälfte im Eigentum).

Die Steuer ist progressiv. Auf nationaler Ebene reicht sie von 0,2 Prozent bis 3,5 Prozent. Die Balearen haben eine eigene Staffel, die vergleichbar beginnt, aber für grosse Vermögen höher enden kann.

Nettovermögen (Euro)Nationaler TarifHinweis
bis 167.1290,2 ProzentEinstieg
bis 334.2530,3 Prozent
bis 668.5000,5 Prozent
bis 1.337.0000,9 Prozent
bis 2.673.9991,3 Prozent
bis 5.347.9981,7 Prozent
bis 10.695.9962,1 Prozent
über 10.695.9963,5 ProzentSpitzensteuersatz

Die Balearen weichen hier ab. 2026 liegt der Spitzensteuersatz nach balearischem Tarif bei rund 3,45 Prozent und greift bei hohen einstelligen Millionen. Der Bundestarif wird nur herangezogen, wenn die Region keinen eigenen Tarif beschlossen hat.

Besonderheiten der Balearen

Die Balearen sind steuerlich aktiv. Wichtige Punkte für 2026:

  • Eigener Staffeltarif mit leicht abweichenden Stufen gegenüber dem Bundesmodell.
  • Zusätzliche Freibeträge für Menschen mit Behinderung und für bestimmte Kulturgüter.
  • Die zwischenzeitliche Volldiskriminierung der Vermögenssteuer wurde zurückgenommen. Seit 2022 wird wieder veranlagt.
  • Historische Immobilien und einige land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen profitieren von Sonderregeln.

Nichtresidente, die nur eine Immobilie auf der Insel besitzen, unterliegen der staatlichen Regelung. Die Impuesto sobre el Patrimonio schlägt auch bei ihnen ab 700.000 Euro Immobilienwert zu, und seit 2024 dürfen Nichtresidente grundsätzlich zwischen staatlichem und balearischem Tarif wählen. Ein kurzer Check mit der Gestoría spart hier schnell vierstellige Beträge.

Viele Käufer unterschätzen auch die Bewertungsfalle: Wenn du deine Immobilie beim Kauf höher beurkundest, um AJD zu bezahlen, ist der Patrimonio-Wert für die nächsten Jahre entsprechend höher. Umgekehrt führt ein Unterwert zu Nachfragen der ATIB.

Solidaritätssteuer ISGF

Die Impuesto Temporal de Solidaridad sobre las Grandes Fortunas wurde 2023 eingeführt. Sie ist eine zeitlich befristete Bundessteuer, die bis auf Weiteres verlängert wird. Sie richtet sich ausdrücklich gegen Regionen mit hohen Bonifikationen wie zuvor Andalusien und Madrid.

Eckdaten:

  • Freibetrag 3 Millionen Euro pro Person (plus 700.000 Euro grundsätzlich abgezogen).
  • Steuersätze von 1,7 Prozent, 2,1 Prozent und 3,5 Prozent für Stufen oberhalb 5,3 Millionen bzw. 10,7 Millionen Euro.
  • Gezahlte regionale Vermögenssteuer wird angerechnet.
  • Erklärung über Modelo 718, Frist Juli.

Für Residente Balearen gilt: Die ISGF greift meistens nur, wenn das weltweite Nettovermögen über rund 3,7 Millionen Euro liegt. Unter dieser Schwelle zahlst du nur die normale Vermögenssteuer, sofern überhaupt. Für Nichtresidente ohne Wohnsitz in Spanien zählt die Immobilie auf Mallorca, nicht das globale Vermögen, daher greift ISGF nur sehr selten.

Die ISGF und Patrimonio sind nicht identisch, auch wenn sie ähnlich wirken. Wer die Anrechnung nicht sauber dokumentiert, zahlt schnell doppelt. Vereinbare mit deiner Gestoría, dass beide Formulare gemeinsam geplant werden.

Erklärung und Fristen

Die Vermögenssteuer (Modelo 714) wird in der Regel zusammen mit der Einkommensteuer (Modelo 100) zwischen April und Ende Juni eingereicht. Fristen 2026:

  • Start der Veranlagung: 3. April 2026
  • Ende Veranlagung mit Lastschrift: 26. Juni 2026
  • Ende Veranlagung ohne Lastschrift: 1. Juli 2026
  • Frist ISGF (Modelo 718): Juli 2026

Du brauchst für eine saubere Erklärung:

  • Kontostände und Depotstände zum 31.12.
  • Kauf- und Katasterwerte aller Immobilien inkl. Nebenkosten
  • Fahrzeugwerte nach offizieller Tabelle
  • Lebensversicherungen zum Rückkaufswert
  • Beteiligungen an Gesellschaften mit anteiligem Eigenkapital

Wer eine sehr einfache Vermögenslage hat (nur Konto, einfache Wohnung), kann Modelo 714 auch selbst ausfüllen. Für alle grenzüberschreitenden Fälle, Betriebsvermögen oder Beteiligungen lohnt die Beratung durch Anwalt oder Steuerberater. Im Dienstleister-Verzeichnis stehen ein paar deutschsprachige Gestorías, die regelmässig Patrimonio erklären.

Strategien

Steuern optimieren ist in Spanien weniger Raketenwissenschaft und mehr Hausaufgaben. Was sich in der Praxis bewährt:

  • Sauber dokumentieren. Jede Änderung deines Vermögens (Verkauf, Kauf, Schenkung) im Jahresordner festhalten. Das Finanzamt liebt Nachweise.
  • Freibeträge auf Paare verteilen. Gemeinsames Eigentum kann die doppelten Freibeträge heben, sofern beide Residente sind.
  • Hauptwohnsitz sauber definieren. Der Freibetrag von 300.000 Euro gilt nur für den Hauptwohnsitz, belegt durch Empadronamiento und Verbrauchsrechnungen.
  • Betriebsvermögen prüfen. Beteiligungen an Gesellschaften können unter Bedingungen zu 95 Prozent freigestellt werden.
  • Bewertung der Immobilie realistisch halten. Keine künstliche Erhöhung des Kaufpreises, kein Kellergeschäft.
  • Fristen einhalten. Verspätete Modelo-714-Erklärungen bringen schnell Bussgelder.

Gerade für Neu-Residente macht eine einmalige Strategiesitzung mit Gestoría und Anwalt vor dem ersten vollen Steuerjahr Sinn. Die Investition von zwei bis drei Stunden rechnet sich fast immer, weil sie Bewertungsfehler und falsche Zuordnungen verhindert. Wer mit grösseren Vermögen anreist, sollte zusätzlich Wegzugsbesteuerung und das DBA Deutschland-Spanien gelesen haben, bevor die ersten Fristen laufen.

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