Müllgebühr auf Mallorca: Was die Tasa de basuras kostet
Sandor Farkas
Gründer und Redaktion von Mallorca Plus
Begleitet Auswanderer und Residenten bei Behörden-, Wohn- und Alltagsfragen rund um das Leben auf Mallorca.
Die Müllgebühr auf Mallorca hat sich in den letzten zwei Jahren spürbar verändert: Viele Gemeinden haben ihre Tasa de basuras neu berechnet, und in etlichen Orten ist der Bescheid deutlich teurer geworden. Der Grund ist kein lokaler Beschluss, sondern eine EU-Vorgabe zur Kreislaufwirtschaft, die Spanien mit einem eigenen Abfallgesetz umgesetzt hat. Wer eine Wohnung oder Finca auf der Insel besitzt oder bewohnt, sollte verstehen, wie die Gebühr funktioniert, denn sie ist inzwischen ein fester Posten unter den Nebenkosten und Betriebskosten auf Mallorca.
Auf einen Blick
Die Tasa de basuras ist die kommunale Abfallgebühr. Seit April 2025 müssen spanische Gemeinden über 5.000 Einwohner eine kostendeckende Gebühr nach dem Verursacherprinzip erheben. Auf Mallorca liegen typische Sätze für einen Haushalt bei 165 bis 200 Euro pro Jahr, je nach Gemeinde auch darunter oder darüber. Zahlen muss grundsätzlich, wer die Immobilie bewohnt; der Eigentümer haftet aber als Ersatzschuldner und bekommt meist den Bescheid.
Was ist die Tasa de basuras?
Die Tasa de basuras ist eine kommunale Abfallgebühr in Spanien. Sie deckt die Kosten für Sammlung, Transport und Behandlung des Hausmülls und wird von der jeweiligen Gemeinde festgesetzt. Seit der Reform durch das spanische Abfallgesetz muss sie kostendeckend sein und sich am Verursacherprinzip orientieren, darf also nicht mehr aus dem allgemeinen Haushalt quersubventioniert werden.
Grundlage ist Artikel 11 des Abfallgesetzes Ley 7/2022 vom 8. April 2022: Spätestens seit dem 10. April 2025 müssen Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern eine spezifische, getrennt ausgewiesene und nicht defizitäre Abfallgebühr erheben. Das Gesetz setzt die EU-Richtlinie zur Kreislaufwirtschaft um. Für viele Gemeinden auf Mallorca bedeutete das: Entweder gab es vorher gar keine eigene Müllgebühr, oder sie deckte nur einen Teil der echten Kosten. Beides musste korrigiert werden, und genau deshalb sind die Bescheide vielerorts gestiegen.
Wichtig zur Einordnung: Die Tasa de basuras ist nicht die Grundsteuer. Die IBI, also die Grundsteuer auf Mallorca, bemisst sich nach dem Katasterwert und fällt unabhängig von der Müllentsorgung an. Beide Abgaben kommen aber oft im selben Zeitraum ins Haus, was regelmäßig für Verwechslung sorgt.
Wer zahlt: Bewohner oder Eigentümer?
Die Logik des Gesetzes ist das Verursacherprinzip: Gebührenschuldner ist, wer den Müll produziert, also der Bewohner der Immobilie. In der Praxis regeln die kommunalen Satzungen es fast überall so, dass der Eigentümer als Ersatzschuldner (sustituto del contribuyente) den Bescheid erhält und gegenüber der Gemeinde haftet. Er darf sich den Betrag aber vom Bewohner zurückholen.
Für die typischen Konstellationen auf Mallorca heißt das:
- Selbstnutzer: Du bist Bewohner und Eigentümer zugleich und zahlst die Gebühr direkt.
- Vermieter: Der Bescheid kommt zu dir. Ob du die Gebühr auf den Mieter umlegen kannst, hängt vom Mietvertrag ab; eine ausdrückliche Klausel dazu ist üblich und zulässig.
- Mieter: Ohne Vertragsklausel zahlt zunächst der Eigentümer. Steht die Umlage im Vertrag, gehört die Tasa de basuras zu deinen jährlichen Nebenkosten.
- Zweitwohnsitz: Die Gebühr fällt auch an, wenn die Immobilie monatelang leer steht. Es zählt die Möglichkeit der Entsorgung, nicht die tatsächliche Nutzung.
Bei Wohnanlagen läuft die Abrechnung teils über die Comunidad, etwa wenn Container gemeinschaftlich genutzt werden. Wie die Eigentümergemeinschaft solche Kosten verteilt, erklärt unser Ratgeber zur Hausverwaltung und Comunidad.
Was kostet die Müllgebühr auf Mallorca?
Eine einheitliche Gebühr für die ganze Insel gibt es nicht, jede Gemeinde beschließt ihre eigene Satzung. Typisch sind nach der Umstellung 165 bis 200 Euro pro Haushalt und Jahr. Kleinere Gemeinden im Inselinneren liegen teils darunter, touristisch geprägte Küstengemeinden mit hohem Entsorgungsaufwand teils darüber. Ferienvermietungen und Gewerbe zahlen fast überall eigene, höhere Tarife.
Die Höhe hängt von Kriterien ab, die jede Gemeinde selbst festlegt. Verbreitet sind:
- Art der Nutzung: Wohnung, Ferienvermietung, Restaurant oder Laden werden unterschiedlich eingestuft.
- Lage und Zone: Zentrumsnahe oder touristische Zonen zahlen oft mehr als ländliche Streulagen.
- Größe oder Katasterwert der Immobilie als Näherungswert für die Müllmenge.
- In einzelnen Gemeinden: gemessene Restmüllmenge oder Abholhäufigkeit, etwa über Chip-Tonnen oder personalisierte Säcke.
Langfristig will das Gesetz genau dorthin: Wer gut trennt und wenig Restmüll erzeugt, soll weniger zahlen. Einige Gemeinden auf Mallorca arbeiten bereits mit Tür-zu-Tür-Sammlung und individueller Erfassung. Wie die Mülltrennung auf der Insel praktisch funktioniert, von der braunen Biotonne bis zum Punt Verd, liest du im Beitrag zur Müllentsorgung auf Mallorca.
Tipp: Einzug per Lastschrift und Rabatt prüfen
Viele Gemeinden gewähren einen kleinen Nachlass, wenn du die Gebühr per Lastschrift (domiciliación bancaria) einziehen lässt oder früh im freiwilligen Zahlungszeitraum zahlst. Das erspart dir außerdem den Fall, dass ein Bescheid im deutschen Briefkasten untergeht und Säumniszuschläge auflaufen.
Bescheid prüfen und Widerspruch einlegen
In vielen Gemeinden Mallorcas verschickt nicht das Rathaus selbst den Bescheid, sondern die balearische Steueragentur ATIB, die die Erhebung für die Kommunen übernimmt. Der freiwillige Zahlungszeitraum liegt meist im Herbst, zusammen mit IBI und Kfz-Steuer. So prüfst du den Bescheid:
Objektdaten kontrollieren
Stimmen Adresse, Katasterreferenz und Nutzungsart? Eine als Ferienvermietung eingestufte Wohnung zahlt deutlich mehr als eine normale Wohnnutzung.
Tarif mit der Satzung abgleichen
Die Gebührensatzung (ordenanza fiscal) steht auf der Webseite der Gemeinde. Prüfe, ob die angesetzte Kategorie und Zone zu deiner Immobilie passen.
Widerspruch einlegen
Gegen einen fehlerhaften Bescheid kannst du innerhalb eines Monats ab Zustellung einen recurso de reposición bei der Stelle einlegen, die den Bescheid erlassen hat.
Trotzdem fristgerecht zahlen oder Aussetzung beantragen
Der Widerspruch stoppt die Zahlungspflicht nicht automatisch. Zahle unter Vorbehalt oder beantrage die Aussetzung, sonst kommen Zuschläge dazu.
Achtung: Doppelte Bescheide nach der Umstellung
Bei der Neueinführung der Gebühr sind in einigen Gemeinden fehlerhafte Zuordnungen aufgetreten, etwa zwei Bescheide für dieselbe Immobilie oder Gebühren für längst abgemeldete Nebengebäude. Vergleiche den Bescheid mit deinen Katasterdaten, bevor du zahlst.
Muss ich die Tasa de basuras auch zahlen, wenn ich die Immobilie kaum nutze? Ja. Die Gebühr knüpft an die Bereitstellung der Entsorgung an, nicht an die tatsächliche Müllmenge. Auch ein Zweitwohnsitz, der nur wenige Wochen im Jahr bewohnt wird, zahlt den vollen Jahressatz der jeweiligen Gemeinde.
Fazit
Die Tasa de basuras ist auf Mallorca vom Nebenposten zur spürbaren Jahresabgabe geworden: typischerweise 165 bis 200 Euro pro Haushalt, mit klarer Tendenz zu verbrauchsabhängigen Modellen. Zahlen muss der Bewohner, den Bescheid bekommt in der Regel der Eigentümer, und bei Vermietung entscheidet der Mietvertrag über die Umlage. Prüfe jeden Bescheid gegen die Gebührensatzung deiner Gemeinde und lege bei Fehlern innerhalb eines Monats Widerspruch ein. Wie sich die Gebühr in deine gesamte Kostenplanung einfügt, zeigt unser Überblick über die Nebenkosten und Betriebskosten auf Mallorca.