Mallorca hat sich in den letzten Jahren zu einer der Inseln mit dem strengsten Mülltrennungssystem Spaniens entwickelt. Wer aus Deutschland kommt, findet vieles bekannt, aber einige Details sind anders: Container stehen in der Regel auf der Strasse, Sperrmüll wird angemeldet, und jede Gemeinde hat ihre eigene Gebührenordnung. Dieser Artikel erklärt, wie das System funktioniert, welche Fehler häufig sind und wo du welchen Müll loswirst.
Grundsystem der Trennung
Die Mülltrennung auf Mallorca basiert auf dem spanischen Abfallgesetz (Ley de Residuos y Suelos Contaminados) und wird durch kommunale Ordnungen konkretisiert. Praktisch bedeutet das: das Grundsystem ist insel- und landesweit gleich, Details wie Container-Standorte und Gebühren regeln die Gemeinden.
Getrennt gesammelt werden:
- Restmüll (Fracción Resto): grauer oder grüner Container
- Bioabfall (Orgánico): brauner Container
- Papier und Pappe (Papel y Cartón): blauer Container
- Leichtverpackungen (Envases): gelber Container
- Glas (Vidrio): grüner Iglu-Container
- Sperrmüll (Voluminosos): per Abholservice oder Punto Verde
- Sonderabfall: Punto Verde (Deixalleria)
Die Trennung ist Pflicht. Bei Verstössen drohen Bussgelder nach Ordenanzas Municipales. In Palma bewegen sich diese zwischen 30 und 3000 EUR, je nach Schwere und Wiederholung. In der Praxis trifft es Privatpersonen selten, aber die Strafen sind wirksam, wenn zum Beispiel ein ganzer Kühlschrank neben dem Papiercontainer landet.
Container-Farben und Inhalte
Die Container-Farben sind in ganz Spanien weitgehend standardisiert. Auf Mallorca gilt folgendes Schema.
| Farbe | Inhalt | Beispiele |
|---|---|---|
| Grau / Grün | Restmüll | Windeln, Katzenstreu, kaputtes Geschirr |
| Braun | Bioabfall | Obst- und Gemüsereste, Kaffeesatz, Teebeutel |
| Blau | Papier und Pappe | Zeitungen, Kartons, Eierkartons |
| Gelb | Leichtverpackungen | PET-Flaschen, Plastiktüten, Joghurtbecher, Tetrapak, Blechdosen |
| Grün (Iglu) | Glas | Weinflaschen, Marmeladengläser, Olivenöl-Flaschen |
| Orange | Speiseöl | Altöl aus der Küche (nur in einigen Gemeinden) |
| Rot | Gefährliche Abfälle | Batterien, Medikamente (nur ausgewählte Orte) |
Typische Trennfehler
- Kaffeesatz in den Restmüll: falsch, gehört in den Bioabfall
- Pizza-Karton mit Fettflecken: entscheidet die Gemeinde, oft Restmüll
- Zerbrochenes Glas: Restmüll, nicht in den Iglu (Verletzungsgefahr für Sammler)
- Kassenzettel: Restmüll, weil thermisch bedruckt
- Plastikspielzeug: Restmüll, nicht Leichtverpackung
Tipp: App der Gemeinde nutzen
Die meisten Gemeinden bieten eine App oder Webseite, auf der du schnell nachschauen kannst, in welchen Container was gehört. In Palma ist das die EMAYA-App, in Calvià "Recicla" und im Consell de Mallorca der Abfallwegweiser. Ein schneller Blick spart viel Rätselraten am Container.
Zeiten und Regeln
In Palma gilt für Privathaushalte die Regel, dass Restmüll nur zwischen 20:00 und 23:00 Uhr in die Container gestellt werden darf. Der Grund: hygienischer Abtransport in der Nacht. Ausserhalb dieser Zeit drohen Bussgelder. In Dörfern und auf dem Land ist das lockerer, in Altstädten von Palma, Sóller oder Pollença oft strenger geregelt.
Sperrmüll und Bauschutt
Sperrmüll (Voluminosos) umfasst alles, was nicht in normale Container passt: Matratzen, Sofas, grössere Möbel, Elektrogrossgeräte. In Palma organisiert EMAYA die Abholung. Auch kleinere Gemeinden haben ähnliche Systeme.
Sperrmüll anmelden
- Webseite oder App der Gemeinde aufrufen (emaya.es für Palma)
- Anmeldung mit Adresse, Kontaktdaten, Beschreibung der Möbel
- Termin erhalten (meistens innerhalb einer Woche)
- Möbel am Vorabend des Termins ab 20:00 Uhr auf den Gehweg stellen
- Abholung am Morgen (üblicherweise zwischen 6:00 und 12:00 Uhr)
Die Abholung ist kostenlos bis zu einer bestimmten Menge, in Palma etwa zwei Möbelstücke pro Monat. Für grössere Mengen, zum Beispiel bei Auszug, gibt es kostenpflichtige Sonderfahrten oder du bringst den Sperrmüll direkt zum Punto Verde.
Was nicht als Sperrmüll zählt
- Bauschutt: Muss separat zur Recyclinganlage (MAC Insular, Son Reus). Kosten je Container 50 bis 300 EUR.
- Gartenabfälle: In vielen Gemeinden eigene Sammelpunkte oder Abholservice
- Elektroschrott: Zum Punto Verde, Abholung ist in Palma möglich aber gesondert anzumelden
- Sondermüll (Farbe, Öl, Chemikalien): Nur zum Punto Verde
Achtung: Möbel nicht einfach abstellen
Viele ziehen aus und stellen Schrank oder Sofa neben den Müllcontainer. Das ist "Vertido Ilegal" und wird mit 300 bis 1500 EUR geahndet. Kameras an vielen Sammelstellen helfen beim Nachweis. Nutze immer den offiziellen Abholservice oder den Punto Verde.
Punto Verde Anlagen
Punto Verde (katalanisch: Deixalleria) sind kostenlose Recyclinghöfe der Gemeinden. Hier kannst du fast alles abgeben, was nicht in die normalen Container passt: Elektroschrott, Gartenabfälle, Altöl, Farben, Batterien, Leuchtmittel, CDs, Kleidung, Druckerpatronen.
Punto Verde in und um Palma
- Son Reus: Hauptanlage im Norden von Palma, sehr breites Spektrum
- Son Malferit: Wirtschaftszone im Osten
- Can Canut: Bunyola, grosser Einzugsbereich
- Sa Teulera: Calvià
- Inca: zentraler Standort für den Norden
- Manacor: für den Osten der Insel
Öffnungszeiten sind oft 8:00 bis 20:00 Uhr unter der Woche, Samstag halbtags, Sonntag geschlossen. Für Privatpersonen ist der Besuch kostenlos. Firmen und Gewerbe müssen sich voranmelden und zahlen nach Gewicht. Die genaue Liste der akzeptierten Materialien steht auf der Webseite der Gemeinde.
Was du zum Punto Verde bringen solltest
- Alte Möbel (bei kleineren Mengen ohne Abholtermin)
- Elektrokleingeräte und Elektrogrossgeräte
- Batterien und Akkus
- Leuchtmittel, Energiesparlampen, Leuchtstoffröhren
- Farben, Lacke, Lösungsmittel
- Autobatterien, Altöl
- Gartenabfälle (grössere Mengen)
- Textilien und Schuhe
- CDs, DVDs, Kassetten
- Drucker- und Tonerkartuschen
Praktische Tipps für den Besuch
- Personalausweis oder NIE mitbringen (Kontrolle ist möglich)
- Rechnung über Neukauf hilft bei Elektroschrott-Rücknahme
- Grössere Mengen aufteilen und in Fahrten organisieren
- Plastiktüten und Kartons vor Ort leeren und mitnehmen
Müllgebühren
Die Müllgebühr (Taxa de Residus oder Tasa de Basura) wird einmal jährlich vom Ayuntamiento erhoben. Sie ist nicht Teil der Grundsteuer (IBI), sondern eine eigene Gebühr. Einen vollständigen Überblick zu den laufenden Kosten einer Immobilie findest du im Artikel Nebenkosten auf Mallorca.
Typische Gebühren 2026
| Gemeinde | Wohnung | Einfamilienhaus | Gewerbe |
|---|---|---|---|
| Palma | 150 bis 220 EUR | 180 bis 280 EUR | 300 bis 3000 EUR |
| Calvià | 120 bis 200 EUR | 180 bis 320 EUR | ab 400 EUR |
| Andratx | 130 bis 210 EUR | 170 bis 300 EUR | ab 350 EUR |
| Sóller | 100 bis 180 EUR | 150 bis 280 EUR | ab 300 EUR |
| Pollença | 110 bis 200 EUR | 160 bis 300 EUR | ab 350 EUR |
| Manacor | 90 bis 170 EUR | 140 bis 260 EUR | ab 250 EUR |
| Inca | 95 bis 175 EUR | 140 bis 250 EUR | ab 250 EUR |
Die Berechnung basiert in vielen Gemeinden auf Katasterwert und Wohnfläche. Manche Gemeinden haben Pauschalen, andere staffeln nach Einwohnerzahl. Eine Ermässigung von 20 bis 50 Prozent gibt es oft für Rentner, einkommensschwache Familien und Kinderreiche.
Zahlungsweise
- Rechnung kommt einmal jährlich, meistens im Frühjahr oder Sommer
- Lastschrift ist verbreitet und gibt oft Rabatt (2 bis 5 Prozent)
- Bei Nichtzahlung droht Mahnverfahren plus Zuschlag
- Eigentümer zahlt die Gebühr, auch wenn er vermietet (kann aber auf den Mieter umgelegt werden, wenn im Mietvertrag geregelt)
Tipp: Domiciliación nutzen
Lass die Müllgebühr per SEPA-Lastschrift vom spanischen Konto abbuchen. Viele Gemeinden geben dafür einen Rabatt. Ausserdem vermeidest du Mahnungen, wenn du gerade im Ausland bist oder die Post verpasst. Anmeldung online oder persönlich im Ayuntamiento.
Besonderheiten nach Gemeinden
Jede Gemeinde auf Mallorca hat kleine Abweichungen. Die wichtigsten Unterschiede.
Palma
- Grösste Stadt, dichtes Containernetz
- Zeiten-Regel: Restmüll nur 20:00 bis 23:00 Uhr
- EMAYA-App mit Terminbuchung und Abfall-Lexikon
- Altstadt: Pflichtabholung an der Haustür, keine Container
Calvià
- Viele Ferienwohnungen, saisonal erhöhte Mengen
- "Recicla Calvià"-App, Abholservice für Sperrmüll
- Punto Verde in Sa Teulera
- Strengere Kontrollen in Urlaubsregionen
Andratx und Sóller
- Altstädte mit begrenztem Container-Platz
- Bio-Abfall-Sammlung nicht überall verfügbar
- Pflichtabholung in Teilen von Port de Sóller
- Stärkere Regeln zu Plastik und Kompost
Ländliche Gemeinden (Artà, Felanitx, Porreres)
- Weniger Container, aber häufige Leerung
- Bauernhöfe mit eigener Kompostierung üblich
- Zentrale Punkte in den Ortszentren
- Sperrmüll oft nur einmal im Monat
Tourismusregionen (Arenal, Playa de Palma, Port d'Alcúdia)
- Extreme Saisonschwankungen
- Gewerbe mit eigenen Verträgen
- Touristen-Müll wird teilweise von Hotels übernommen
- Strandreinigung separat organisiert
Für mehr Informationen zum Thema Nebenkosten und Abgaben empfehlen wir unseren Artikel zu Nebenkosten einer Immobilie. Wer eine Wohnung neu bezieht, sollte ausserdem die Versorgungsverträge auf den eigenen Namen umstellen, wie im Artikel Strom, Wasser und Internet anmelden beschrieben.
Wer Mülltrennung von Anfang an ernst nimmt, hat nach wenigen Wochen die Routine drin. Eine Handvoll Container-Farben, ein bisschen App-Check und der gelegentliche Gang zum Punto Verde. Das ist weniger Aufwand, als man denkt, und hilft einer Insel, die jeden Sommer vor Müllbergen steht, spürbar weiter.