Retención IRPF auf Rechnungen: 15 oder 7 Prozent
Sandor Farkas
Gründer und Redaktion von Mallorca Plus
Begleitet Auswanderer und Residenten bei Behörden-, Wohn- und Alltagsfragen rund um das Leben auf Mallorca.
Wer als Autónomo in Spanien professionelle Dienstleistungen abrechnet, sieht auf manchen Rechnungen einen Abzug, der zunächst verwirrend wirkt: die Retención IRPF. Sie zieht dem Kunden einen Teil der Rechnungssumme ab, bevor er überhaupt zahlt, und führt diese Summe direkt ans Finanzamt ab. Der Satz liegt je nach Situation bei 15 oder 7 Prozent, und nicht jeder Autónomo ist überhaupt betroffen. Dieser Beitrag zeigt, wer einbehalten muss, wann der reduzierte Satz gilt, wie die Retención auf der Rechnung aussieht und warum sie bei Kunden aus Deutschland komplett entfällt.
Die Retención IRPF ist ein Steuervorabzug auf Rechnungen freiberuflicher Tätigkeiten in Spanien. Der Kunde zieht den Betrag direkt von der Zahlung ab und überweist ihn ans Finanzamt, wo er später mit der Einkommensteuer des Autónomo verrechnet wird.
Auf einen Blick
Freiberufliche Autónomos aus Sección 2 des IAE weisen auf Rechnungen an spanische Firmen und andere Autónomos eine Retención IRPF aus: 15 Prozent im Regelfall, 7 Prozent im Jahr der Anmeldung und den beiden Folgejahren. Kunden ohne steuerlichen Sitz in Spanien, etwa in Deutschland, behalten nichts ein. Wer im Vorjahr mindestens 70 Prozent seiner Einnahmen mit Retención fakturiert hat, muss kein Modelo 130 mehr abgeben.
Wer die Retención IRPF einbehalten muss
Ob eine Rechnung eine Retención IRPF trägt, hängt vom IAE-Epígrafe der Tätigkeit ab, den du beim Modelo 036 ausfüllen festgelegt hast. Die Impuesto sobre Actividades Económicas unterteilt Tätigkeiten in drei Sektionen: Sección 1 für gewerbliche (empresariale) Tätigkeiten, Sección 2 für freiberufliche (profesionale) Tätigkeiten und Sección 3 für künstlerische Tätigkeiten. Nur Rechnungen aus Sección 2 und 3 tragen eine Retención, Sección-1-Tätigkeiten in der Regel nicht. Grundlegendes zum Status selbst klärt der Ratgeber Als Autonomo in Spanien arbeiten.
Zu den typischen Sección-2-Tätigkeiten zählen zum Beispiel:
- Berater, Übersetzer und Texter
- Architekten und Ingenieure
- Anwälte, Steuerberater und Gestores
- Designer und Marketingberater
- IT-Freelancer, sofern als profesional statt als empresarial angemeldet
Handwerker, Ladenbesitzer, Gastronomen und die meisten Online-Shops fallen dagegen unter Sección 1 und stellen ihre Rechnungen ohne Retención aus. Rechnungen an Privatpersonen, die nicht als Unternehmer oder Autónomo handeln, enthalten grundsätzlich ebenfalls keine Retención, unabhängig davon, welcher Sección die eigene Tätigkeit angehört.
Die Pflicht zur Retención betrifft außerdem nur Zahler mit steuerlichem Sitz oder einer Betriebsstätte in Spanien. Eine Firma in Deutschland ohne spanische Steuerpräsenz kann rechtlich gar keine spanische IRPF einbehalten und abführen, deshalb entfällt der Abzug bei diesen Rechnungen komplett. Du stellst an deutsche, österreichische oder Schweizer Kunden also ohne Retención in Rechnung. Wer überwiegend an Kunden im Ausland fakturiert, sammelt entsprechend kaum Retención-Guthaben an und zahlt seine IRPF-Vorauszahlung meist über das quartalsweise Modelo 130, statt sie schon über die Rechnung vorwegzunehmen. An der Steuerlast selbst ändert das nichts, nur am Zeitpunkt der Zahlung.
15 oder 7 Prozent: Diese Regel gilt für Neuautónomos
Der reguläre Satz der Retención IRPF liegt bei 15 Prozent (Art. 101 Abs. 5 LIRPF). Neue Autónomos zahlen im Jahr der Anmeldung und den beiden folgenden Kalenderjahren nur 7 Prozent, vorausgesetzt sie waren im Jahr vor der Anmeldung nicht bereits als Profesional tätig (Art. 95 Abs. 1 RIRPF).
Der reduzierte Satz gilt nicht automatisch. Du musst deinem Kunden schriftlich mitteilen, dass du die Voraussetzungen erfüllst, meist reicht dafür ein Satz auf der Rechnung selbst wie "Retención reducida según artículo 101.5 LIRPF por inicio de actividad profesional". Ohne diesen Hinweis wendet der Kunde den vollen Satz von 15 Prozent an, auch wenn du eigentlich Anspruch auf 7 Prozent hättest.
Ein Beispiel: Meldest du dich im März 2026 als Übersetzer an, gilt der Satz von 7 Prozent für Rechnungen aus den Jahren 2026, 2027 und 2028. Ab 2029 stellst du mit dem regulären Satz von 15 Prozent in Rechnung, unabhängig davon, wann im Jahr du angefangen hast.
So gehört die Retención auf die Rechnung
Die Retención steht als eigene Zeile unter dem IVA-Betrag und wird vom Bruttobetrag abgezogen, nicht addiert. Eine Rechnung über ein Netto-Honorar von 1.000 Euro mit 21 Prozent IVA und 15 Prozent Retención sieht so aus:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Netto-Honorar | 1.000,00 € |
| zzgl. IVA 21 % | + 210,00 € |
| abzgl. Retención IRPF 15 % | - 150,00 € |
| Rechnungsbetrag | 1.060,00 € |
Der Kunde überweist dir also 1.060 statt der vollen 1.210 Euro brutto. Die einbehaltenen 150 Euro führt er quartalsweise über das Modelo 111 ans Finanzamt ab und bescheinigt dir den Betrag am Jahresende. Diese Bescheinigung (certificado de retenciones) brauchst du für deine eigene Steuererklärung, denn dort wird die bereits gezahlte Retención von deiner IRPF-Schuld abgezogen. Die übrigen Pflichtangaben einer spanischen Rechnung, von der Rechnungsnummer bis zum IVA-Ausweis, erklärt der Ratgeber Rechnung stellen in Spanien.
Modelo 130 sparen: Die 70-Prozent-Regel
Wer die vierteljährliche IRPF-Vorauszahlung über das Modelo 130 leidig findet, kann sich davon befreien lassen, wenn im Vorjahr mindestens 70 Prozent der Einnahmen aus der Tätigkeit bereits mit Retención oder Ingreso a Cuenta fakturiert wurden (Art. 109 RIRPF). Die Befreiung greift automatisch, du musst sie nicht separat beantragen.
Wichtig dabei: Die 70-Prozent-Grenze bezieht sich auf das Vorjahr, nicht auf das laufende Jahr. Rechnest du 2026 überwiegend mit Retención ab, entfällt das Modelo 130 erst für 2027. Prüfe am Jahresende, wie hoch dein Anteil an retenierten Rechnungen war, bevor du im Januar entscheidest, ob eine neue Modelo-130-Erklärung fällig wird.
Häufig gestellte Fragen zur Retención IRPF
Was ist der Unterschied zwischen 15 und 7 Prozent Retención? 15 Prozent ist der reguläre Satz für professionelle Tätigkeiten. Neuautónomos zahlen ihn im Jahr der Anmeldung und den beiden Folgejahren nur mit 7 Prozent, wenn sie im Vorjahr nicht bereits selbstständig tätig waren.
Behalten auch Kunden aus Deutschland die Retención ein? Nein. Nur Zahler mit steuerlichem Sitz oder Betriebsstätte in Spanien sind zur Retención verpflichtet. Rechnungen an Kunden ohne spanische Steuerpräsenz stellst du ohne Einbehalt.
Muss ich die 70-Prozent-Regel beim Finanzamt beantragen? Nein, die Befreiung vom Modelo 130 gilt automatisch, sobald die Voraussetzung erfüllt ist. Eine gesonderte Beantragung ist nicht nötig, im Zweifel lohnt sich aber die Prüfung mit einer Gestoria.
Fazit
Ob eine Rechnung eine Retención IRPF braucht, entscheidet die Sección deines IAE-Epígrafes: Profesionales und Künstler behalten ein, gewerbliche Tätigkeiten meist nicht. Der Satz liegt bei 15 Prozent, für Neuautónomos in den ersten drei Jahren bei 7 Prozent, vorausgesetzt du weist deinen Kunden schriftlich darauf hin. Kunden ohne spanische Steuerpräsenz, etwa in Deutschland, behalten grundsätzlich nichts ein, und wer im Vorjahr mindestens 70 Prozent seiner Einnahmen mit Retención fakturiert hat, spart sich das quartalsweise Modelo 130. Wer unsicher ist, ob die eigene Tätigkeit unter Sección 2 fällt oder ob die 70-Prozent-Regel greift, klärt das am besten einmal mit einer Gestoria, bevor die erste falsch ausgestellte Rechnung Ärger mit dem Finanzamt macht.
Offizielle Quellen: Ley 35/2006 (LIRPF), Art. 101, Real Decreto 439/2007 (Reglamento IRPF), Art. 95 und 109 und die Agencia Tributaria zu Pagos Fraccionados.
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