Autónomo-Beiträge 2026: Beitragsstufen richtig wählen
Sandor Farkas
Gründer und Redaktion von Mallorca Plus
Begleitet Auswanderer und Residenten bei Behörden-, Wohn- und Alltagsfragen rund um das Leben auf Mallorca.
Der Autónomo-Beitrag 2026 bleibt eingefroren: Die spanische Regierung wollte die Beiträge zur Seguridad Social eigentlich anheben, zwei Vorschläge aus dem Herbst 2025 scheiterten aber am Widerstand der Selbstständigenverbände. Für dich als Autónomo auf Mallorca gelten deshalb weiter die 15 Beitragsstufen mit denselben Werten wie 2025. Das klingt nach einer Pause zum Durchatmen, in der Praxis lohnt sich der Blick auf die eigene Einstufung trotzdem jedes Jahr. Wer sein Einkommen falsch schätzt, bekommt die Rechnung später mit Aufschlag. Die Grundlagen der Anmeldung findest du in unserem Autónomo-Guide, hier geht es um das Geld: Welche Stufe passt zu dir, wann wechselst du und was die Wahl für Krankengeld und Rente bedeutet.
Auf einen Blick
Die Autónomo-Beiträge sind 2026 auf dem Stand von 2025 eingefroren und reichen von 200 bis 590 Euro im Monat, je nach Nettoeinkommen. Gestiegen ist nur die Zusatzabgabe MEI von 0,8 auf 0,9 Prozent. Du kannst deine Beitragsstufe bis zu sechsmal im Jahr anpassen, jeweils zu festen Stichtagen über das Portal Importass.
So funktionieren die 15 Beitragsstufen
Die Beitragsstufen (spanisch tramos) sind die 15 Einkommensklassen im RETA, dem Sozialversicherungssystem für Selbstständige in Spanien. Deine Stufe richtet sich nach deinem geschätzten monatlichen Nettoeinkommen. Sie legt fest, in welchem Rahmen du deine Beitragsbasis wählen darfst und wie viel du damit mindestens an die Seguridad Social zahlst.
Die Stufen 1 bis 6 bilden die reduzierte Tabelle für Nettoeinkommen bis 1.700 Euro im Monat, die Stufen 7 bis 15 die allgemeine Tabelle darüber. 2026 liegen die Mindestbeiträge zwischen 200 Euro (Nettoeinkommen bis 670 Euro) und 590 Euro (über 6.000 Euro):
| Stufe | Nettoeinkommen pro Monat | Mindestbeitrag |
|---|---|---|
| 1 | bis 670 € | 200 € |
| 2 | 670 bis 900 € | 220 € |
| 3 | 900 bis 1.166,70 € | 260 € |
| 4 | 1.166,70 bis 1.300 € | 291 € |
| 5 | 1.300 bis 1.500 € | 294 € |
| 6 | 1.500 bis 1.700 € | 310 € |
| 7 | 1.700 bis 1.850 € | 350 € |
| 8 | 1.850 bis 2.030 € | 370 € |
| 9 | 2.030 bis 2.330 € | 390 € |
| 10 | 2.330 bis 2.760 € | 426 € |
| 11 | 2.760 bis 3.190 € | 464 € |
| 12 | 3.190 bis 3.620 € | 501 € |
| 13 | 3.620 bis 4.050 € | 538 € |
| 14 | 4.050 bis 6.000 € | 573 € |
| 15 | über 6.000 € | 590 € |
Die Tabelle zeigt den Beitrag bei der Mindestbasis der jeweiligen Stufe. Innerhalb deiner Stufe darfst du freiwillig eine höhere Basis wählen. Das kostet mehr, verbessert aber Krankengeld, Arbeitslosengeld für Selbstständige und später die Rente.
Eine Änderung gibt es 2026 doch: Die Zusatzabgabe MEI (Mecanismo de Equidad Intergeneracional) ist zum 1. Januar von 0,8 auf 0,9 Prozent der Beitragsbasis gestiegen. Je nach Basis macht das einige Euro im Monat aus. Neugründer zahlen im ersten Jahr weiterhin die Tarifa Plana von 80 Euro monatlich; das zweite Jahr zum reduzierten Satz gibt es nur, wenn dein Nettoeinkommen im ersten Jahr unter dem Mindestlohn bleibt.
Achtung: Sonderregel für GmbH-Geschäftsführer
Als Autónomo Societario (geschäftsführender Gesellschafter einer SL) oder als mitarbeitendes Familienmitglied gilt für dich eine Mindestbeitragsbasis von 1.000 Euro. Dein Mindestbeitrag liegt damit bei gut 300 Euro im Monat, egal wie niedrig dein tatsächliches Einkommen ist.
Dein Nettoeinkommen realistisch schätzen
Der häufigste Fehler bei der Einstufung: Viele rechnen mit dem Umsatz statt mit dem Nettoeinkommen. Maßgeblich sind aber die rendimientos netos, also deine Einnahmen abzüglich aller absetzbaren Betriebsausgaben. Dazu zählen der Autónomo-Beitrag selbst, Büro- oder Coworking-Miete, Material, Software und Berufsversicherungen. Auf das Ergebnis wendest du zusätzlich eine Pauschale von 7 Prozent für schwer belegbare Kosten an (3 Prozent für Societarios). Die Summe teilst du durch zwölf.
Ein Beispiel: Du erwartest 36.000 Euro Jahresumsatz und 8.000 Euro Betriebsausgaben. Nach Abzug der 7-Prozent-Pauschale bleiben rund 26.000 Euro, also etwa 2.170 Euro Nettoeinkommen im Monat. Damit landest du in Stufe 9 und zahlst mindestens 390 Euro. Wer stattdessen mit den 3.000 Euro Monatsumsatz rechnet, stuft sich in Stufe 11 ein und zahlt monatlich 74 Euro zu viel.
Bei schwankenden Einnahmen zählt der Jahresdurchschnitt, nicht der beste oder schlechteste Monat. Gerade auf Mallorca mit ihrem saisonalen Geschäft ist das relevant: Ein starker Sommer und ein leerer Januar gleichen sich in der Rechnung aus. Wie sich das Nettoeinkommen steuerlich zusammensetzt, erklären wir ausführlicher im Beitrag zu IVA und IRPF für Autónomos.
Stufe wechseln: sechsmal im Jahr zu festen Stichtagen
Läuft das Jahr anders als geplant, passt du die Stufe an. Bis zu sechs Wechsel pro Jahr sind erlaubt, beantragt werden sie online über das Portal Importass der Seguridad Social. Der Wechsel wirkt nie sofort, sondern zum nächsten Stichtag:
- Antrag bis Ende Februar: gilt ab 1. März
- Antrag bis 30. April: gilt ab 1. Mai
- Antrag bis 30. Juni: gilt ab 1. Juli
- Antrag bis 31. August: gilt ab 1. September
- Antrag bis 31. Oktober: gilt ab 1. November
- Antrag bis 31. Dezember: gilt ab 1. Januar des Folgejahres
Ein praktischer Rhythmus: Prüfe deine Einkommensprognose immer dann, wenn du ohnehin die Quartalssteuer einreichst. Liegst du mehr als eine Stufe daneben, stellst du den Wechselantrag im selben Fenster. Im Importass-Portal gibt es dafür einen kostenlosen Simulator, der dir Beitrag und Stufe für verschiedene Einkommensszenarien durchrechnet.
Wie oft kann ich meine Beitragsstufe 2026 ändern? Bis zu sechsmal pro Jahr, jeweils mit Wirkung zum nächsten der sechs Stichtage (1. März, 1. Mai, 1. Juli, 1. September, 1. November, 1. Januar). Der Antrag läuft über das Portal Importass.
Die Jahresabrechnung: Nachzahlung oder Erstattung
Das System beruht auf einer Schätzung, abgerechnet wird später. Nach Ablauf des Jahres gleicht die Seguridad Social deine gezahlten Beiträge mit dem Nettoeinkommen ab, das die Agencia Tributaria aus deiner Einkommensteuererklärung meldet. Hast du in einer zu niedrigen Stufe gezahlt, kommt eine Nachforderung. Hast du zu viel gezahlt, bekommst du die Differenz automatisch erstattet.
Unangenehm wird es, wenn die Seguridad Social eine wiederholte Untererfassung feststellt: Dann kann auf die Nachzahlung ein Zuschlag von 10 bis 20 Prozent kommen. Die Abrechnung für 2024 lief in den ersten Monaten 2026, fällige Nachzahlungen waren bis zum 30. April 2026 zu begleichen. Wer die Abrechnung für 2025 noch vor sich hat, sollte den Bescheid im Importass-Konto im Blick behalten.
Was passiert, wenn ich meine Stufe gar nicht anpasse? Nichts sofort. Bei der Jahresabrechnung fordert die Seguridad Social die Differenz nach oder erstattet zu viel Gezahltes. Bei deutlicher und wiederholter Unterschätzung droht ein Zuschlag von 10 bis 20 Prozent auf die Nachzahlung.
Welche Stufe sich für dich lohnt
Die Mindestbasis ist nicht automatisch die klügste Wahl. Dein Beitrag bestimmt die Bemessungsgrundlage für Krankengeld, das Arbeitslosengeld für Selbstständige (cese de actividad) und die spätere Rente. Wer jahrzehntelang nur das Minimum zahlt, merkt das im Ernstfall und im Alter deutlich.
Als Faustregel: In der Startphase mit knapper Liquidität ist die Mindestbasis vertretbar, vor allem wenn noch viele Beitragsjahre vor dir liegen. Ab Mitte 40 oder bei stabil gutem Einkommen lohnt die Rechnung, was eine höhere Basis kostet und was sie bei Krankheit und Rente bringt. Wie sich spanische Beitragsjahre auf deinen Rentenanspruch auswirken und was mit deutschen Beitragszeiten passiert, liest du im Beitrag zur spanischen Rente für Expats. Wenn du die Einstufung und die Jahresabrechnung nicht selbst verfolgen willst, übernimmt das eine Gestoría für einen überschaubaren Monatsbetrag.
Tipp: Beitrag als Betriebsausgabe
Dein Autónomo-Beitrag ist voll absetzbar und senkt damit genau das Nettoeinkommen, nach dem du eingestuft wirst. Rechne ihn bei der Prognose gleich mit ein, sonst schätzt du dich eine Stufe zu hoch.
Fazit
2026 ist ein ruhiges Jahr für den Autónomo-Beitrag: eingefrorene Stufen von 200 bis 590 Euro, als einzige Änderung der MEI-Anstieg auf 0,9 Prozent. Die Arbeit liegt bei dir. Schätze dein Nettoeinkommen über den Jahresdurchschnitt, nicht über den Umsatz, und nutze die sechs Wechselfenster, sobald deine Prognose um mehr als eine Stufe abweicht. So bleibt die Jahresabrechnung eine Formalie statt einer teuren Überraschung. Und wenn dein Einkommen stabil gewachsen ist, prüfe einmal im Jahr, ob eine höhere Beitragsbasis für Krankengeld und Rente die paar Euro mehr wert ist.
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