Mallorca

Spanische Rente aufbauen: Expats auf Mallorca vorsorgen

6 min read#spanische rente expat
Sandor Farkas

Sandor Farkas

Mallorca-Experte & Autor

Wer dauerhaft auf Mallorca lebt und arbeitet, zahlt in die spanische Rentenversicherung ein - und baut damit echte Ansprüche auf. Das klingt selbstverständlich, aber viele Expats wissen nicht, wie das System im Detail funktioniert, was die Beitragsjahre wirklich zählen und was mit den deutschen Rentenpunkten passiert, die sie schon gesammelt haben. Das spanische Rentensystem ist großzügiger als sein Ruf, aber es gibt klare Regeln, die du kennen solltest.

Auf einen Blick

Als Expat auf Mallorca baust du durch Beiträge zur Seguridad Social spanische Rentenansprüche auf. Für eine volle Rente brauchst du 37 Jahre und 3 Monate Beitragszeit (Stand 2026). Deutsche Beitragsjahre können über das Totalisierungsabkommen angerechnet werden. Die Mindestbeitragszeit für irgendeinen Anspruch liegt bei 15 Jahren.

Wie die spanische Rentenversicherung funktioniert

Die spanische Rentenversicherung heißt Seguridad Social und ist eine Pflichtversicherung. Wenn du als Angestellter oder als Autónomo auf Mallorca arbeitest, zahlst du automatisch Beiträge. Angestellte zahlen rund 6,4 % ihres Bruttogehalts, der Arbeitgeber zahlt weitere ca. 23,6 % obendrauf. Als Autónomo zahlst du eine monatliche Pauschale, die seit der Reform 2023 einkommensabhängig gestaffelt ist und zwischen ca. 230 EUR und 530 EUR liegt.

Diese Beiträge fließen in das spanische Umlagesystem, ähnlich wie in Deutschland. Was dabei zählt, sind die sogenannten Cotizaciones, also die angerechneten Beitragsmonate. Aus diesen Monaten ergibt sich sowohl, ob du überhaupt einen Anspruch hast, als auch wie hoch deine Rente ausfällt.

Wie viele Beitragsjahre du für eine volle Rente brauchst

Hier ist die wichtigste Zahl: Seit 2027 (vollständig in Kraft) brauchst du 38,5 Beitragsjahre für 100 % der sogenannten Base Reguladora, also deiner Berechnungsgrundlage. Im Jahr 2026 liegt die Schwelle noch bei 37 Jahren und 3 Monaten. Hast du weniger Beitragsjahre, bekommst du einen prozentualen Abschlag.

Die absolute Untergrenze liegt bei 15 Jahren Beitragszeit. Erst ab dieser Schwelle hast du überhaupt Anspruch auf eine spanische Rente. Das klingt lang, aber hier kommt das Totalisierungsabkommen ins Spiel.

Wann du frühestens Rente beantragen kannst

Das gesetzliche Rentenalter in Spanien steigt schrittweise: 2026 liegt es bei 66 Jahren und 8 Monaten. Wer 38,5 Beitragsjahre vorweisen kann, darf bereits mit 65 in Rente gehen. Eine Frühverrentung ab 63 ist möglich, aber mit deutlichen Abschlägen verbunden.

Das Totalisierungsabkommen Deutschland - Spanien

Das ist die entscheidende Regelung für alle, die erst in mittlerem Alter nach Mallorca gezogen sind: Deutschland und Spanien haben ein bilaterales Sozialversicherungsabkommen, das sogenannte Totalisierungsabkommen. Es regelt, dass Beitragszeiten aus beiden Ländern zusammengezählt werden können - aber nur um festzustellen, ob du die Mindestbeitragszeit erreichst.

Konkret bedeutet das: Hast du in Deutschland 10 Jahre Rentenversicherungsbeiträge gezahlt und dann 8 Jahre in Spanien gearbeitet, kommst du zusammen auf 18 Jahre. Das reicht für einen spanischen Rentenanspruch. Die Rente selbst zahlt aber jedes Land anteilig für seine eigenen Beitragsjahre. Deutschland zahlt seine deutschen Anteile, Spanien seine spanischen.

Achtung: Keine Doppelzahlung bei gleichzeitiger Tätigkeit

Wenn du in Deutschland noch Rentenansprüche ansammelst (z.B. durch eine deutsche Betriebsrente oder freiwillige Beiträge), kann das die Berechnung komplizieren. Lass das von einem Fachmann prüfen, bevor du beides parallel optimierst.

Wie hoch deine spanische Rente ausfällt

Die Rentenhöhe hängt von zwei Faktoren ab: deiner Base Reguladora und der Anzahl deiner Beitragsjahre. Die Base Reguladora berechnet sich aus deinen durchschnittlichen Beitragsgrundlagen der letzten 25 Jahre vor Rentenbeginn. Dabei werden ältere Jahre mit einem Inflationskoeffizienten angepasst.

Das Ergebnis ist eine monatliche Rente in EUR. Für 2026 gilt:

  • Mindestrente (volle Beitragszeit, 65 Jahre, Ehepartner): ca. 1.100 EUR/Monat
  • Maximale Rente (Beitragsbemessungsgrenze erreicht, volle Laufzeit): ca. 3.250 EUR/Monat
  • Die Rente wird 14-mal jährlich ausgezahlt (12 Monate plus zwei Pagas Extraordinarias)

Als Autónomo mit moderaten Einkommen solltest du realistischerweise mit niedrigeren Beitragsgrundlagen rechnen - besonders wenn du lange in der niedrigsten Beitragsklasse warst.

Lücken in der Beitragszeit schließen

Was tun, wenn du absehbar nicht auf 15 Jahre oder mehr kommst? Es gibt mehrere Möglichkeiten:

  • Freiwillige Weiterversicherung in Deutschland: Wenn du aus Deutschland weggezogen bist, kannst du freiwillig in die Deutsche Rentenversicherung einzahlen und so deutsche Ansprüche aufbauen oder erhalten. Möglich ab dem ersten Monat im Ausland.
  • Beitragszahlungen rückwirkend prüfen: In bestimmten Fällen können Zeiten der Kindererziehung oder Pflege angerechnet werden.
  • Spanische Invaliditätsrente als Absicherung: Wer weniger als 15 Jahre spanische Beitragszeit hat, kann im Invaliditätsfall auf andere Schutzmechanismen zurückgreifen - das ist aber kein Ersatz für Altersvorsorge.

Ergänzend lohnt sich immer eine private Altersvorsorge, entweder über deutsche Produkte oder über spanische Pensionspläne (Planes de Pensiones), deren Beiträge steuerlich absetzbar sind.

Mehr zur spanischen Sozialversicherung insgesamt findest du im Ratgeber zur Seguridad Social, und was das für deine Steuerpflicht bedeutet, erklärt der Überblick zur Steuerpflicht auf Mallorca.

Was du praktisch jetzt tun solltest

Unabhängig davon, wie lange du schon auf Mallorca lebst, sind das die konkreten Schritte:

  1. Rentenauskunft anfordern: Über die App "Mi Seguridad Social" oder die Webseite sede.seg-social.gob.es kannst du dein Rentenkonto einsehen und prüfen, wie viele Beitragsmonate bereits erfasst sind.
  2. Deutsche Rentenauskunft einholen: Die Deutsche Rentenversicherung schickt dir auf Anfrage eine Standmitteilung mit allen erfassten Beitragsjahren.
  3. Totalisierung prüfen lassen: Wenn du beide Auskunfte hast, kannst du beim spanischen Rentenamt (INSS) informell anfragen, wie eine kombinierte Berechnung aussehen würde.
  4. Rentenlücke berechnen: Addiere deutsche und spanische Beitragsjahre. Wenn du absehbar unter 15 Jahren in Spanien bleibst, plane die Strategie entsprechend.
  5. Steuerliche Behandlung klären: Eine spanische Rente ist in Spanien steuerpflichtig, wird aber durch Freibeträge reduziert. Eine Gestoria hilft beim ersten Mal.
1

Mi Seguridad Social einrichten

App oder Web-Portal nutzen, Cl@ve-Zertifikat oder digitale ID vorab besorgen.

2

Beitragsverlauf prüfen

Alle Beitragsmonate und -grundlagen der letzten Jahre kontrollieren, Fehler reklamieren.

3

Deutsche Rentenauskunft bestellen

Schriftlich oder online bei der Deutschen Rentenversicherung Bund beantragen.

4

Gesamtbild zusammenstellen

Beide Quellen kombinieren, Lücken identifizieren, Handlungsbedarf ermitteln.

5

Gestoria oder Rentenberater einschalten

Für komplexe Fälle mit Beitragszeiten in mehreren Ländern empfiehlt sich eine professionelle Beratung.

Fazit

Die spanische Rente lohnt sich für Expats auf Mallorca - vorausgesetzt, du baust genug Beitragsjahre auf. Das Totalisierungsabkommen mit Deutschland ist dabei ein echter Vorteil: Wer schon in Deutschland gearbeitet hat, kann diese Zeit anrechnen lassen, um die Mindestanforderungen in Spanien zu erfüllen. Wichtig ist, das Rentenkonto regelmäßig zu prüfen und frühzeitig zu verstehen, wo du stehst. Wer zu spät anfängt, darüber nachzudenken, hat weniger Spielraum bei den Optionen.

Einen guten Überblick über die gesamte Rentensituation für Mallorca-Residenten findest du auch im Ratgeber Rente auf Mallorca.

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