Mallorca

Kredit in Spanien aufnehmen - Was du als Deutscher wissen musst

Aktualisiert: April 202610 Min. Lesezeit

Zusammenfassung

Alles über Kredite in Spanien: Welche Kreditarten es gibt, welche Voraussetzungen du als Ausländer erfüllst und wie du den besten Kredit findest.

Kreditarten in Spanien

In Spanien gibt es verschiedene Kreditformen, die sich in Zweck, Laufzeit und Konditionen unterscheiden. Als Deutscher auf Mallorca wirst du vor allem mit diesen Varianten in Berührung kommen:

Préstamo Hipotecario (Hypothekenkredit) ist der klassische Immobilienkredit. Er wird durch die Immobilie selbst abgesichert und bietet die niedrigsten Zinsen (ab ca. 2,5-4% variabel). Laufzeiten von 15 bis 30 Jahren sind üblich. Für EU-Bürger mit Residenz finanzieren spanische Banken bis zu 80% des Kaufpreises, für Nicht-Residenten meist nur 60-70%.

Préstamo Personal (Konsumkredit) ist ein ungesicherter Kredit für größere Anschaffungen wie ein Auto, Möbel oder Renovierungen. Die Zinsen liegen deutlich höher (6-12% TAE), dafür ist der Antrag einfacher und schneller. Laufzeiten betragen typischerweise 1 bis 8 Jahre.

Crédito Revolving (Rahmenkredit) funktioniert ähnlich wie ein Dispokredit. Du erhältst einen Kreditrahmen, den du flexibel nutzen und in Raten zurückzahlen kannst. Vorsicht: Die Zinsen sind oft sehr hoch (15-25% TAE) und die Kosten unübersichtlich. Seit 2020 gibt es in Spanien strengere Regulierungen für diese Kreditform.

Préstamo para Autónomos (Kredit für Selbstständige) richtet sich an Freiberufler und Kleinunternehmer. Banken verlangen hier meist eine längere Geschäftshistorie (mindestens 2 Jahre) und stabile Umsätze. Die Konditionen ähneln dem Konsumkredit, können aber je nach Sicherheiten variieren.

Voraussetzungen für Ausländer

Als EU-Bürger hast du grundsätzlich die gleichen Rechte auf Kreditvergabe wie Spanier. In der Praxis stellen Banken aber zusätzliche Anforderungen, wenn du noch nicht lange im Land lebst.

Die NIE ist Pflicht. Ohne deine spanische Identifikationsnummer läuft nichts. Falls du sie noch nicht hast, findest du alle Infos in unserem NIE-Guide.

Ein spanisches Bankkonto ist ebenfalls notwendig. Die Kreditraten werden per Lastschrift eingezogen, und die meisten Banken vergeben Kredite nur an eigene Kunden. Falls du noch kein Konto hast, hilft dir unser Bankkonto-Guide weiter.

Einkommensnachweise sind entscheidend. Angestellte brauchen ihre letzten 3 Gehaltsabrechnungen (nóminas) und den Arbeitsvertrag. Selbstständige reichen ihre letzte Steuererklärung (Declaración de la Renta) und die Vida Laboral ein. Rentner benötigen ihren Rentenbescheid. Hast du noch keine spanischen Einkommensnachweise, akzeptieren einige Banken auch deutsche Dokumente mit beglaubigter Übersetzung.

Die Bonitätsprüfung läuft über die spanischen Register ASNEF und RAI. Anders als in Deutschland gibt es kein Scoring-System - entweder du hast einen Negativermerk oder nicht. Das bedeutet: Keine unbezahlten Rechnungen in Spanien, kein Problem. Du kannst deinen Status kostenlos bei asnef.com prüfen.

Die Schuldenquote ist ein wichtiger Faktor. Spanische Banken wollen, dass deine monatlichen Kreditraten nicht mehr als 30-35% deines Nettoeinkommens ausmachen. Bestehende Kredite (auch aus Deutschland) werden dabei berücksichtigt, wenn du sie offenlegst.

Ablauf eines Kreditantrags

Schritt 1: Unterlagen vorbereiten

Stelle alle Dokumente zusammen, bevor du zur Bank gehst. Das spart Zeit und macht einen guten Eindruck. Du brauchst: NIE, Reisepass, Empadronamiento, die letzten 3 Gehaltsabrechnungen oder Steuererklärung, einen aktuellen Kontoauszug und bei Hypotheken den Kaufvertrag bzw. die Reservierungsvereinbarung der Immobilie.

Schritt 2: Angebote vergleichen

Geh nicht nur zu einer Bank. Hole dir mindestens 3 Angebote ein und vergleiche die TAE (effektiver Jahreszins), nicht den beworbenen Nominalzins. Achte auch auf Bearbeitungsgebühren (comisión de apertura), Vorfälligkeitsentschädigungen und ob Zusatzprodukte wie Versicherungen Pflicht sind.

Schritt 3: Antrag einreichen

Die Bank prüft deine Unterlagen und Bonität. Bei Konsumkrediten bekommst du oft innerhalb von 1-3 Tagen eine Antwort. Bei Hypotheken wird zusätzlich eine Immobilienbewertung (tasación) durch einen unabhängigen Gutachter durchgeführt, was 300-500€ kostet.

Schritt 4: Bindende Offerte (FEIN/FIAE)

Seit dem Hypothekengesetz von 2019 müssen Banken dir mindestens 10 Tage vor Vertragsabschluss die bindende Offerte (FEIN - Ficha Europea de Información Normalizada) aushändigen. Dieses standardisierte Dokument zeigt alle Konditionen transparent auf. Nutze diese Zeit, um alles in Ruhe zu prüfen.

Schritt 5: Vertragsabschluss

Konsumkredite unterschreibst du in der Bankfiliale. Hypotheken werden beim Notar (Notaría) beurkundet. Seit 2019 muss der Notar dir vorab einen kostenlosen Beratungstermin anbieten, bei dem alle Klauseln erklärt werden. Die Notarkosten trägt bei Hypotheken die Bank.

Hypothek vs. Konsumkredit

Die richtige Kreditart hängt von deinem Vorhaben ab. Hier die wichtigsten Unterschiede:

Bei einer Hypothek sind die Zinsen niedrig (2,5-4% variabel, 3-4,5% fest), die Laufzeit lang (15-30 Jahre), die Beantragung aufwändig und die Immobilie dient als Sicherheit. Du brauchst in der Regel 20-40% Eigenkapital plus ca. 10-12% für Nebenkosten (Steuern, Notar, Grundbuch).

Beim Konsumkredit sind die Zinsen höher (6-12% TAE), die Laufzeit kürzer (1-8 Jahre), der Prozess deutlich schneller und es wird keine Sicherheit benötigt. Die maximale Kreditsumme liegt meist bei 60.000-75.000€.

Manche Käufer finanzieren einen Teil des Eigenkapitals über einen separaten Konsumkredit. Das kann funktionieren, erhöht aber deine monatliche Belastung erheblich und wird von manchen Banken kritisch gesehen.

Zinsen und Konditionen

In Spanien gibt es drei gängige Zinsmodelle bei Hypotheken:

Variable Zinsen (Tipo variable) orientieren sich am Euribor plus einem Aufschlag der Bank (z.B. Euribor + 0,9%). Der Euribor wird alle 6 oder 12 Monate angepasst. Aktuell (Stand April 2026) liegt der 12-Monats-Euribor bei etwa 2,5%. Deine Rate kann also steigen oder fallen.

Feste Zinsen (Tipo fijo) bleiben über die gesamte Laufzeit gleich, typischerweise zwischen 3% und 4,5%. Du zahlst einen Aufpreis für die Planungssicherheit, bist aber vor Zinserhöhungen geschützt.

Gemischte Zinsen (Tipo mixto) kombinieren beide Modelle: Die ersten 3-10 Jahre sind fest, danach wird auf variabel umgestellt. Das ist ein Kompromiss zwischen Sicherheit und niedrigen Kosten.

Bei Konsumkrediten sind die Zinsen fast immer fest. Die TAE variiert stark je nach Bank und Bonität. Als grobe Orientierung: 6-8% TAE ist ein gutes Angebot, 8-12% ist marktüblich, über 12% solltest du kritisch hinterfragen.

Typische Fehler vermeiden

Nur den Nominalzins (TIN) vergleichen. Die TAE ist der einzig faire Vergleichswert, weil sie alle Kosten einrechnet. Eine Bank kann einen niedrigen TIN anbieten, aber hohe Bearbeitungsgebühren verlangen.

Zusatzprodukte unkritisch akzeptieren. Viele Banken bieten bessere Konditionen, wenn du eine Lebensversicherung, Hausratversicherung oder Kreditkarte dazu abschließt. Rechne nach, ob sich das wirklich lohnt oder ob der Kredit ohne diese Produkte (aber mit höherem Zins) unterm Strich günstiger ist.

Die Vorfälligkeitsentschädigung ignorieren. Wenn du den Kredit vorzeitig zurückzahlen willst, kann die Bank eine Entschädigung verlangen. Bei variablen Hypotheken maximal 0,15% (in den ersten 5 Jahren) bzw. 0,25% (in den ersten 3 Jahren), bei festen Hypotheken bis zu 2% (erste 10 Jahre) bzw. 1,5% (danach). Kläre das vorher ab.

Keinen Notar-Beratungstermin wahrnehmen. Bei Hypotheken hast du das Recht auf eine kostenlose Beratung durch den Notar vor der Unterschrift. Nutze das, besonders wenn dein Spanisch noch nicht perfekt ist. Du kannst auch einen Dolmetscher mitbringen.

Sich von Schnellkrediten (créditos rápidos) verlocken lassen. Online-Anbieter versprechen Kredite in Minuten ohne Nachweise. Die Zinsen liegen aber oft bei 20-25% TAE oder höher. Diese Angebote sind fast nie eine gute Idee.

Voraussetzungen

Gültige NIE (Número de Identidad de Extranjero)

Spanisches Bankkonto (cuenta bancaria)

Einkommensnachweis (Nómina, Steuerbescheid oder Rentenbescheid)

Vida laboral oder Arbeitsvertrag

Empadronamiento (Meldebescheinigung)

Positive Bonitätsprüfung (ohne Eintrag bei ASNEF/RAI)

Schritt-für-Schritt Anleitung

1

NIE und Empadronamiento besorgen

2

Spanisches Bankkonto eröffnen

3

Einkommensnachweise und Unterlagen zusammenstellen

4

Angebote bei mehreren Banken einholen

5

Kreditvertrag prüfen (TAE, Laufzeit, Gebühren)

6

Vertrag beim Notar unterschreiben (bei Hypotheken)

Häufige Fragen

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