Wallbox auf Mallorca installieren: Kosten, Recht, Förderung
Sandor Farkas
Gründer und Redaktion von Mallorca Plus
Begleitet Auswanderer und Residenten bei Behörden-, Wohn- und Alltagsfragen rund um das Leben auf Mallorca.
Eine Wallbox auf Mallorca zu installieren ist meist weniger Aufwand, als die Nachbarn in der Comunidad vermuten lassen. Das Gesetz ist auf deiner Seite, der Elektriker erledigt den Papierkram, und für den Zuschuss ist seit Juli 2026 eine neue Balearen-Förderung offen. Was fehlt, ist oft nur die Übersicht: Was kostet das Ganze, was darf die Eigentümergemeinschaft, welche Dokumente musst du am Ende in der Hand halten, und wie viel Ladeleistung gibt der Anschluss einer Finca überhaupt her. Dieser Beitrag beantwortet das der Reihe nach. Wie das Laden unterwegs läuft und wie dicht das Netz auf der Insel ist, steht im Ratgeber zum Elektroauto auf Mallorca.
Auf einen Blick
Eine 7,4-kW-Wallbox kostet auf Mallorca mit Einbau meist 950 bis 2.500 Euro. In der Gemeinschaftsgarage reicht eine schriftliche Ankündigung an die Comunidad, eine Abstimmung ist nicht nötig. Der Elektriker muss den Boletín (CIE) ausstellen und die Anlage bei der Industria eintragen. Zuschuss gibt es 2026 nicht mehr über MOVES III, sondern über das Programm FACTOR 2026 der Balearenregierung, Antrag bis 28. Februar 2027.
Was eine Wallbox ist und was sie hier kostet
Eine Wallbox ist eine fest an der Wand oder an einer Säule montierte Ladestation für Elektroautos mit eigenem Stromkreis und Schutzschaltung. Sie lädt mit 3,7 bis 22 kW und ersetzt das Laden an der Haushaltssteckdose, das auf Dauer Leitung und Steckdose überlastet.
Die Preise für eine Wallbox auf Mallorca liegen etwas über dem Festland, weil Material per Fähre kommt und gute Elektriker in der Saison ausgebucht sind. Für eine übliche Installation mit bis zu 15 Metern Kabelweg kannst du rechnen:
| Posten | Kosten | Dauer |
|---|---|---|
| Wallbox 7,4 kW (Gerät, einfach) | 400 bis 700 € | einmalig |
| Wallbox 11 kW mit App und Lastmanagement | 700 bis 1.200 € | einmalig |
| Einbau durch Elektriker inkl. Kabel, FI, Leitungsschutz | 450 bis 1.100 € | einmalig |
| Boletín, Eintragung Industria, Anmeldung Netz | 80 bis 200 € | einmalig |
| Gesamt | 950 bis 2.500 € | einmalig |
Teurer wird es, wenn der Stellplatz in der Tiefgarage weit vom Zähler entfernt liegt. Jeder zusätzliche Meter Kabel schlägt mit 8 bis 15 Euro zu Buche, und in älteren Garagen kommt oft ein neuer Kabelkanal an der Decke dazu. Wer in einer Comunidad lebt, sollte deshalb vor dem Angebot klären, ob der Strom vom eigenen Wohnungszähler kommt oder ob ein eigener Zähler in der Garage nötig ist. Beides ist erlaubt, der eigene Zähler kostet aber einen zweiten Stromvertrag.
Comunidad: Ankündigung genügt, Abstimmung nicht nötig
Der häufigste Irrtum unter deutschen Eigentümern: Sie glauben, die Junta müsse der Wallbox zustimmen. Das stimmt nicht. Artikel 17.5 des spanischen Wohnungseigentumsgesetzes (Ley 49/1960 de Propiedad Horizontal) sagt seit 2013 klar: Ein Ladepunkt für den privaten Gebrauch auf einem individuellen Stellplatz erfordert nur die vorherige Mitteilung an die Gemeinschaft. Die Kosten trägst du allein, dafür kann dir niemand die Installation verwehren.
Was lange strittig war: Darf das Kabel durch Gemeinschaftseigentum laufen, etwa an der Garagendecke entlang bis zum Zählerraum? Der Oberste Gerichtshof hat das mit dem Urteil 1745/2025 vom 1. Dezember 2025 entschieden. Laut Mitteilung des Consejo General del Poder Judicial reicht die Mitteilung auch dann, wenn die Leitung ganz oder teilweise über Gemeinschaftselemente verläuft. Nur eine unnötige oder unverhältnismäßige Beeinträchtigung der anderen Eigentümer könnte die Comunidad einwenden.
So gehst du in der Praxis vor:
Angebot vom Elektriker einholen
Mit Skizze des Kabelwegs. Diese Skizze legst du der Mitteilung bei, damit der Administrador sieht, was wo verlegt wird.
Schriftlich an Presidente und Administrador
Per Burofax oder E-Mail mit Lesebestätigung. Datum, Stellplatznummer, Leistung der Wallbox, Kabelweg, Name des Installateurs. Formuliere es als Mitteilung, um eine Genehmigung bittest du nicht.
Kurz warten, dann bauen
Das Gesetz nennt keine Frist. Zwei bis drei Wochen sind üblich, damit die Comunidad Einwände zum Kabelweg äußern kann. Kommt nichts, geht es los.
Achtung: Mietwohnung und Gemeinschaftsstellplatz
Die Regel gilt für Eigentümer mit eigenem Stellplatz. Wer mietet, braucht das Einverständnis des Vermieters, und ein Stellplatz, der nur ein Nutzungsrecht an einer Gemeinschaftsfläche ist, fällt nicht unter Artikel 17.5. Dann entscheidet die Junta mit einfacher Mehrheit. Wie die Versammlung funktioniert, steht im Ratgeber zur Hausverwaltung und Comunidad.
Welche Papiere der Elektriker liefern muss
Eine Wallbox gilt in Spanien als eigene elektrische Installation nach der Vorschrift ITC-BT-52 der Niederspannungsverordnung (Real Decreto 1053/2014). Deshalb darf sie nur ein bei der Industria registrierter Installateur (instalador autorizado) einbauen. Frag beim Angebot nach seiner Registrierungsnummer. Ein Handwerker, der "das auch macht", kann dir die Dokumente nicht ausstellen, und ohne die Dokumente gibt es weder Zuschuss noch im Schadensfall Geld von der Versicherung.
Nach dem Einbau bekommst du drei Dinge:
- Den Boletín, offiziell Certificado de Instalación Eléctrica (CIE). Er bestätigt, dass die Anlage der Norm entspricht, und ist das wichtigste Blatt in diesem ganzen Vorgang.
- Die Eintragung der Anlage bei der Direcció General d'Indústria der Balearenregierung. Das erledigt der Installateur online, du bekommst den Nachweis.
- Bei Bedarf die Anhebung der Anschlussleistung beim Versorger. Für eine 7,4-kW-Wallbox brauchst du in der Regel mehr als die üblichen 4,6 kW einer Wohnung, die Erhöhung läuft über den Stromvertrag. Wie du mit Endesa und Co. umgehst, erklärt der Ratgeber zu Strom, Wasser und Internet.
Wenn du die Leistung nicht erhöhen willst, gibt es einen Trick: Wallboxen mit dynamischem Lastmanagement drosseln sich automatisch, wenn Herd oder Klimaanlage laufen. Das kostet beim Gerät 200 bis 300 Euro mehr, spart aber jeden Monat die höhere Grundgebühr für die Leistung.
Stromtarif und Ladeleistung auf der Finca
Der Standardtarif für Haushalte heißt 2.0TD und hat drei Preiszonen. Die günstige Zone (valle) gilt werktags von 0 bis 8 Uhr und am Wochenende sowie an Feiertagen den ganzen Tag. Genau dort gehört das Auto ans Kabel. Die meisten Wallboxen lassen sich per Zeitplan so einstellen, dass sie erst um Mitternacht anfangen. Eine 60-kWh-Batterie ist an einer 7,4-kW-Box in gut acht Stunden voll, also passend zur Nachtzone. Wer eine Solaranlage hat, lädt tagsüber mit Überschuss; wie das zusammenspielt, steht im Beitrag zu Photovoltaik und Elektroauto.
Auf dem Land sieht es anders aus. Viele Fincas hängen an einem einphasigen Anschluss mit 5,75 oder 6,9 kW, manche noch an alten Leitungen, die schon beim Pool-Filter in die Knie gehen. Eine 11-kW-Wallbox braucht Drehstrom und fällt damit meist weg. Realistisch ist auf der Finca eine 3,7- oder 7,4-kW-Box, und bei 7,4 kW muss der Rest des Hauses in der Ladezeit sparsam sein. Der Elektriker misst das vorher durch. Ein Drehstromanschluss ist möglich, kostet aber je nach Entfernung zum Trafo schnell mehrere tausend Euro und Monate Wartezeit beim Netzbetreiber.
Reicht der Finca-Anschluss für eine Wallbox?
Für 3,7 kW fast immer, für 7,4 kW meist mit Lastmanagement oder Leistungserhöhung. 11 kW und mehr brauchen Drehstrom, den viele Fincas nicht haben. Lass den Anschluss vor dem Kauf der Wallbox vom Elektriker prüfen, nicht danach.
Förderung 2026: MOVES III ist zu, FACTOR 2026 ist offen
Wer im Netz nach Wallbox-Zuschuss sucht, landet noch oft beim Plan MOVES III mit seinen 70 Prozent. Das Programm hat am 31. Dezember 2025 die Antragsfrist geschlossen, und sein Nachfolger Plan Auto+ fördert seit 2026 nur noch den Autokauf, keine privaten Ladepunkte mehr.
Auf den Balearen gibt es stattdessen das Programm FACTOR 2026 der Conselleria d'Empresa, Autònoms i Energia, finanziert aus dem Insularitätsfaktor. Es fördert Photovoltaik, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur, Privatpersonen mit Wohnsitz auf den Balearen sind ausdrücklich antragsberechtigt. Die Convocatoria wurde am 2. Juli 2026 im BOIB veröffentlicht, Anträge laufen vom 9. Juli 2026 bis zum 28. Februar 2027. Die Förderquote liegt im Programm für Ladeinfrastruktur bei 70 Prozent der förderfähigen Kosten; Installateure auf der Insel nennen für Privatpersonen einen Deckel von 2.500 Euro je Ladepunkt. Verbindlich ist der Text der Convocatoria im BOIB, nicht die Angabe des Installateurs.
Der Antrag läuft nur digital mit Cl@ve oder Zertifikat und braucht das ausgefüllte Formular, eine technische Memoria sowie die Rechnung und den Boletín. Die Entscheidung kann bis zu sechs Monate dauern, das Schweigen der Behörde gilt als Ablehnung. Rechne den Zuschuss also nicht in dein Budget ein, bevor der Bescheid da ist.
Tipp: Steuerabzug nicht fest einplanen
Der staatliche Abzug von 15 Prozent in der Einkommensteuer für Ladepunkte galt für Einbauten bis Ende 2025. Die Verlängerung auf 2026 ist im Kongress zweimal gescheitert, zuletzt im Februar 2026. Ob sie doch noch kommt, weiß im September 2026 niemand. Frag deinen Steuerberater vor der Erklärung 2027 und heb Rechnung und Zahlungsbeleg auf.
Bekomme ich den Zuschuss auch für eine Wallbox in der Tiefgarage?
Ja. FACTOR 2026 nennt Privatpersonen mit Wohnsitz auf den Balearen als Berechtigte und unterscheidet nicht zwischen Einfamilienhaus und Gemeinschaftsgarage. Wichtig ist der Boletín des zugelassenen Installateurs, ohne ihn gibt es kein Geld.
Fazit
Eine Wallbox auf Mallorca scheitert selten an der Comunidad. Eine Mitteilung an Presidente und Administrador reicht, seit dem Urteil des Supremo vom Dezember 2025 auch bei Kabeln über Gemeinschaftsflächen. Rechne mit 950 bis 2.500 Euro, nimm einen registrierten Installateur und lass dir Boletín und Industria-Eintragung geben. Den Zuschuss holst du dir 2026 nicht mehr über MOVES III, sondern über FACTOR 2026 mit Frist bis Ende Februar 2027. Ob sich das Auto dazu lohnt, klärt der Beitrag zum Elektroauto im Inselalltag.
