Steuern in Spanien für Deutsche - Was du wissen musst
Sandor Farkas
Mallorca-Experte & Autor
Wer als Deutscher nach Mallorca zieht, muss sich früher oder später mit dem spanischen Steuersystem auseinandersetzen. Die Steuern in Spanien für Deutsche sind ein Thema, das viele Auswanderer unterschätzen - und das kann teuer werden. Ob Einkommensteuer, Vermögenssteuer oder die berüchtigte Doppelbesteuerung: In diesem Guide erklären wir dir, welche Steuerpflichten auf dich zukommen, welche Fristen du einhalten musst und wie du typische Fehler vermeidest.
Wann wirst du in Spanien steuerpflichtig?
Die wichtigste Frage zuerst: Ab wann musst du überhaupt Steuern in Spanien zahlen? Die Antwort ist klar geregelt. Du wirst in Spanien unbeschränkt steuerpflichtig, wenn mindestens eine der folgenden Bedingungen zutrifft:
- Du hältst dich mehr als 183 Tage pro Kalenderjahr in Spanien auf
- Dein wirtschaftlicher Lebensmittelpunkt liegt in Spanien (z. B. dein Arbeitsplatz)
- Dein Ehepartner und deine minderjährigen Kinder leben in Spanien
Sobald du als steuerlich ansässig (residente fiscal) giltst, musst du dein gesamtes weltweites Einkommen in Spanien versteuern. Das betrifft nicht nur dein Gehalt auf Mallorca, sondern auch Mieteinnahmen aus Deutschland, Kapitalerträge oder Renten. Viele Deutsche übersehen diesen Punkt und melden nur ihr spanisches Einkommen. Das kann bei einer Prüfung zu erheblichen Nachzahlungen führen.
Achtung: 183-Tage-Regel
Die 183 Tage müssen nicht am Stück in Spanien verbracht werden. Auch einzelne Tage und Kurzaufenthalte zählen zusammen. Das spanische Finanzamt (Agencia Tributaria) prüft im Zweifelsfall Flugdaten und Kreditkartenabrechnungen.
Die wichtigsten Steuerarten in Spanien
Das spanische Steuersystem unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich vom deutschen. Hier sind die Steuerarten, die für dich als deutschen Auswanderer relevant sind:
IRPF (Impuesto sobre la Renta de las Personas Físicas) - Die spanische Einkommensteuer ist die wichtigste Steuer für Angestellte und Selbstständige. Sie wird progressiv berechnet, das heisst: Je mehr du verdienst, desto höher ist dein Steuersatz. Die Sätze reichen von 19 % für die ersten 12.450 Euro bis zu 47 % für Einkommen über 300.000 Euro. Auf den Balearen kommt ein regionaler Zuschlag hinzu, sodass der Spitzensteuersatz bei rund 50 % liegen kann.
Impuesto sobre el Patrimonio - Spanien erhebt eine Vermögenssteuer auf dein weltweites Nettovermögen. Auf den Balearen liegt der Freibetrag bei 3 Millionen Euro (nach der Reform von 2023). Alles darüber wird mit Sätzen zwischen 0,28 % und 3,45 % besteuert.
Modelo 720 - Wer als Steuerresident Vermögenswerte im Ausland besitzt (Bankkonten, Immobilien, Versicherungen) mit einem Wert von jeweils über 50.000 Euro, muss diese jährlich über das Modelo 720 deklarieren. Die Meldepflicht besteht auch dann, wenn du darauf keine Steuern zahlen musst.
Tipp: Modelo 720 nicht vergessen
Auch wenn der EuGH die drakonischen Strafen für verspätete Meldungen gekippt hat, bleibt die Meldepflicht bestehen. Informiere dich rechtzeitig bei deiner Gestoría oder deinem Steuerberater.
Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Spanien
Viele Deutsche auf Mallorca haben noch Einkünfte aus Deutschland - sei es durch Mieteinnahmen, eine Betriebsrente oder Kapitalerträge. Damit du nicht in beiden Ländern gleichzeitig Steuern auf dasselbe Einkommen zahlst, gibt es das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und Spanien.
Das DBA regelt, welches Land für welche Einkommensart das Besteuerungsrecht hat. Die wichtigsten Grundregeln:
- Gehalt: Wird grundsätzlich im Land besteuert, in dem du arbeitest
- Mieteinnahmen aus Deutschland: Werden in Deutschland besteuert, müssen aber in der spanischen Steuererklärung angegeben werden
- Renten: Deutsche gesetzliche Renten werden seit 2015 in Spanien besteuert (mit einigen Ausnahmen für Beamtenpensionen)
- Kapitalerträge: Werden in der Regel im Wohnsitzland (Spanien) versteuert
- Betriebsrenten: Je nach Ausgestaltung kann das Besteuerungsrecht bei Deutschland oder Spanien liegen
In der Praxis bedeutet das oft: Du zahlst in einem Land Steuern und rechnest diese in der Steuererklärung des anderen Landes an. Das klingt kompliziert und ist es auch. Ohne einen Steuerberater, der sich mit beiden Systemen auskennt, ist das kaum sauber zu lösen.
Die spanische Steuererklärung (Declaración de la Renta)
Die Steuererklärung in Spanien heisst offiziell Declaración de la Renta und wird über das Modelo 100 eingereicht. Die wichtigsten Fakten:
- Abgabezeitraum: April bis Juni des Folgejahres (für das Steuerjahr 2025 also April bis Juni 2026)
- Pflicht: Wer mehr als 22.000 Euro Jahreseinkommen von einem Arbeitgeber bezieht, muss eine Steuererklärung abgeben. Bei mehreren Arbeitgebern liegt die Grenze bei 15.000 Euro
- Online-Abgabe: Über die Website der Agencia Tributaria mit Cl@ve-PIN oder digitalem Zertifikat
- Vorab-Entwurf: Die Agencia Tributaria stellt einen Entwurf (borrador) bereit, den du prüfen und anpassen kannst
Achtung: Borrador nicht blind akzeptieren
Der Vorab-Entwurf der Agencia Tributaria kennt dein deutsches Einkommen nicht. Wenn du Einkünfte aus Deutschland hast, musst du den Entwurf manuell anpassen. Wer den Borrador einfach bestätigt, riskiert eine fehlerhafte Steuererklärung.
Typische Fehler bei Steuern in Spanien für Deutsche
Aus der Erfahrung vieler Auswanderer auf Mallorca gibt es einige Fallen, in die Deutsche immer wieder tappen:
-
Weltweites Einkommen nicht angeben - Als Steuerresident in Spanien musst du alles melden, auch Einkünfte aus Deutschland. Wer nur das spanische Gehalt angibt, macht sich strafbar.
-
Modelo 720 ignorieren - Die Meldepflicht für Auslandsvermögen wird häufig vergessen. Auch deutsche Lebensversicherungen, Bausparverträge oder Aktien-Depots können meldepflichtig sein.
-
Steuerberater sparen - Das deutsch-spanische Steuerrecht ist komplex. Ein spezialisierter Steuerberater (Asesor Fiscal) oder eine Gestoría kostet auf Mallorca zwischen 150 und 500 Euro pro Steuererklärung. Das ist gut investiertes Geld.
-
Fristen verpassen - Die spanische Steuererklärung hat feste Fristen. Wer zu spät abgibt, zahlt automatisch einen Aufschlag von mindestens 1 % auf die Steuerschuld.
-
Doppelbesteuerung nicht anrechnen - Steuern, die du in Deutschland gezahlt hast, kannst du in Spanien anrechnen lassen. Wer das versäumt, zahlt doppelt.
Tipp: Guten Steuerberater finden
Frage in der deutschen Community auf Mallorca nach Empfehlungen für zweisprachige Steuerberater. Viele Gestorías in Palma haben sich auf deutsche Kunden spezialisiert und kennen beide Steuersysteme.
Steuern sparen in Spanien - legale Möglichkeiten
Auch in Spanien gibt es legale Wege, deine Steuerlast zu senken. Einige davon kennen viele Deutsche nicht:
- Hypothekenabzug: Wenn du deine Immobilie auf Mallorca vor 2013 gekauft hast, kannst du Hypothekenzinsen steuerlich absetzen
- Spenden: Spenden an anerkannte Organisationen sind zu 80 % (erste 250 Euro) bzw. 40 % absetzbar
- Private Altersvorsorge: Beiträge zu spanischen Pensionsplänen (Plan de Pensiones) sind bis 1.500 Euro pro Jahr absetzbar
- Beckham-Gesetz: Für bestimmte zugezogene Arbeitnehmer gibt es die Möglichkeit, sich für einen Pauschalsteuersatz von 24 % zu entscheiden (maximal 6 Jahre). Das lohnt sich besonders bei hohen Gehältern
Darüber hinaus können Selbstständige (Autónomos) zahlreiche Betriebsausgaben absetzen - von der Büromiete über Fahrtkosten bis hin zu Arbeitsmitteln. Mehr dazu findest du in unserem Guide zum Thema Autónomo in Spanien.
Fazit
Das Thema Steuern in Spanien für Deutsche ist komplex, aber mit der richtigen Vorbereitung gut zu bewältigen. Wenn du nach Mallorca auswanderst, solltest du dich frühzeitig mit deinen steuerlichen Pflichten auseinandersetzen. Kläre deine Residenz, melde dein weltweites Einkommen vollständig an und vergiss das Modelo 720 nicht. Der wichtigste Rat: Investiere in einen guten Steuerberater, der beide Systeme kennt. Die Kosten dafür sparst du durch vermiedene Fehler und genutzte Abzugsmöglichkeiten schnell wieder ein. Weitere Informationen findest du in unseren Ratgebern zur Steuererklärung in Spanien und zum Doppelbesteuerungsabkommen.