Ostküste Mallorca: Die besten Wohnorte für Expats
Sandor Farkas
Mallorca-Experte & Autor
Wer auf Mallorca wohnen möchte, denkt zuerst an Palma oder den Südwesten. Dabei hat die Ostküste in den letzten Jahren stark aufgeholt: ruhigere Dörfer, niedrigere Mietpreise als im Südwesten und eine Infrastruktur, die für den ganzjährigen Alltag gut funktioniert. Dieser Beitrag vergleicht die wichtigsten Orte für Expats, die an der Ostküste Mallorcas wohnen wollen, mit aktuellen Mietpreisen und ehrlicher Einschätzung zu Stärken und Schwächen.
Auf einen Blick
Die Ostküste Mallorcas umfasst grob die Gemeinden von Cala Ratjada im Nordosten bis Cala d'Or im Südosten. Beliebt bei Auswanderern sind vor allem Cala Ratjada und Capdepera im Norden, Son Servera und Cala Millor in der Mitte sowie der Raum Porto Cristo im Süden. Die Mietpreise liegen 2026 spürbar unter Palma-Niveau, die Infrastruktur reicht für den Alltag gut aus.
Die Ostküste Mallorcas bezeichnet den östlichen Küstenstreifen zwischen dem Cabo Farrutx im Norden und dem Kap de ses Salines im Süden, eine Strecke von rund 80 Kilometern Küstenlinie. Die Region umfasst mehrere selbstständige Gemeinden mit eigener Infrastruktur, unterscheidet sich aber deutlich vom urbanisierten Südwesten rund um Calvia.
Cala Ratjada und Capdepera: Der Norden für Aktive
Cala Ratjada ist der bekannteste Ort im Nordosten und hat eine etablierte deutschsprachige Community. Das liegt historisch an der Fischertradition und am frühen Tourismus, der viele Deutsche in die Region gebracht hat. Heute leben dort ganzjährig mehrere Hundert deutschsprachige Residenten.
Für den Alltag funktioniert Cala Ratjada gut: Supermärkte (Mercadona, Lidl in Capdepera), eine Gesundheitsstation, ein wöchentlicher Markt und ausreichend Restaurants, die auch in der Nebensaison geöffnet sind. Der Flughafen Palma ist in rund 80 Kilometern erreichbar, was ohne Autobahn etwa 70 bis 80 Minuten Fahrtzeit bedeutet.
Mietpreise 2026: Eine 2-Zimmer-Wohnung kostet in Cala Ratjada und Capdepera zwischen 850 und 1.350 EUR monatlich bei Langzeitmiete. Fincas und Häuser liegen je nach Lage bei 1.200 bis 2.500 EUR.
Schwachpunkt: Die Busverbindungen sind in der Nebensaison dünn. Ohne Auto ist das Leben hier eingeschränkt. Die öffentlichen Verkehrsmittel auf Mallorca verbessern sich zwar jährlich, aber die Taktdichte im Osten bleibt hinter Palma und dem Südwesten zurück.
Markt in Capdepera
In Capdepera findet jeden Mittwoch und Samstag ein Wochenmarkt statt. Für Frischwaren aus der Region lohnt er sich besonders im Herbst und Winter, wenn kaum Touristen da sind.
Son Servera und Cala Millor: Familienfreundlich und erschwinglich
Son Servera ist ein typisches mallorquinisches Dorf ohne großen Touristenbetrieb, liegt aber nur zehn Minuten von Cala Millor entfernt, dem breitesten Sandstrand im Osten. Die Kombination macht die Gegend für Familien attraktiv: ein echtes Dorf mit Schule, Gesundheitszentrum und ruhigem Alltag, aber Strand und Meer in kurzer Entfernung.
Die Infrastruktur für Familien ist solide: Es gibt eine öffentliche Schule mit Vorschule, einen Kinderarzt im Gesundheitszentrum und in Sant Llorenç des Cardassar in der Nähe weitere Einrichtungen. Eine internationale oder deutsche Schule gibt es im Osten nicht - die nächste Möglichkeit ist in Palma.
Mietpreise 2026: 2-Zimmer-Wohnungen in Son Servera kosten zwischen 750 und 1.100 EUR. Einfamilienhäuser mit Garten liegen bei 1.200 bis 1.900 EUR monatlich. Damit gehört die Gegend zu den günstigsten Wohnregionen auf der Insel.
Laut dem Institut Balear d'Estadística (IBESTAT) hat die Gemeinde Son Servera rund 12.000 Einwohner, von denen etwa 30 % aus dem Ausland stammen - ein für Mallorca typischer, aber vergleichsweise hoher Anteil.
Porto Cristo und Manacor: Lokales Leben im Zentrum
Porto Cristo ist ein Fischerhafen mit eigenem Flair, der weniger touristisch geprägt ist als Cala Ratjada. Hier wohnen viele Einheimische ganzjährig, was dem Ort eine andere Atmosphäre gibt. Der Wochenmarkt, die lokalen Bars und die gute Anbindung an Manacor (die zweitgrößte Stadt Mallorcas, 15 Minuten entfernt) machen Porto Cristo für Auswanderer interessant, die nicht in einer Tourismusgemeinde wohnen möchten.
Manacor selbst ist zwar kein Küstenort, bietet aber eine vollständige Versorgung: Einkaufszentren, mehrere Supermärkte, ein Krankenhaus (Hospital de Manacor), Schulen aller Stufen, Banken und eine größere deutschsprachige Community als viele Küstendörfer.
Mietpreise 2026: In Porto Cristo liegen 2-Zimmer-Wohnungen zwischen 900 und 1.400 EUR. In Manacor ist es etwas günstiger: 700 bis 1.100 EUR für vergleichbare Wohnungen.
Achtung bei Ferienwohnungen
Im Osten werden viele Immobilien als Touristenwohnungen vermarktet. Achte bei der Wohnungssuche darauf, dass der Vertrag eine Langzeitmiete (Contrato de Arrendamiento de Vivienda) ist und nicht eine verkappte Touristenmiete. Die Mindestlaufzeit bei regulärer Langzeitmiete beträgt in Spanien fünf Jahre.
Cala d'Or und der südliche Osten
Cala d'Or liegt bereits im Grenzbereich zur Gemeinde Santanyí und ist einer der beliebtesten Orte für deutschsprachige Residenten auf der ganzen Insel. Die Infrastruktur ist gut, das Angebot an deutschen Ärzten und Dienstleistern überdurchschnittlich. Allerdings ist Cala d'Or bekannt dafür, im Sommer stark überlaufen zu sein.
Für den südlichen Osten gilt: Je weiter Richtung Santanyí, desto ruhiger und landschaftlich schöner, aber auch desto dünnere Infrastruktur. Wer in dieser Gegend wohnt, sollte ein Auto haben und keine Scheu vor regelmäßigen Fahrten nach Palma.
Einen ausführlichen Vergleich der Mietpreise auf der ganzen Insel findest du im Mietpreise-Ratgeber für Mallorca 2026. Für allgemeine Hinweise zu Mietverträgen und was du rechtlich beachten musst, hilft der Guide zum Wohnung mieten auf Mallorca.
Mietpreise 2026: In Cala d'Or liegt die Monatsmiete für eine 2-Zimmer-Wohnung zwischen 1.000 und 1.700 EUR. Damit ist Cala d'Or teurer als der Rest der Ostküste, aber immer noch günstiger als die meisten Lagen in Calvia oder Palma.
Was die Ostküste von anderen Regionen unterscheidet
Die Ostküste ist keine homogene Region. Sie zieht folgende Zielgruppen besonders an:
- Paare und Familien, die Ruhe und Natur suchen und auf Stadtleben verzichten können
- Menschen, die auf Mietpreise achten und Palma-Niveau nicht zahlen wollen
- Residenten, die bewusst weniger in touristisch geprägten Gebieten wohnen wollen
- Aktive, die Radfahren, Schnorcheln und Wandern regelmäßig betreiben
Was die Ostküste nicht bietet: ein breites kulturelles Angebot, gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr in der Nebensaison und die Vielfalt an Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten, die Palma hat. Wer diese Dinge braucht, sollte in Manacor oder mit direktem Anschluss an die Via Manacor (Hauptstraße nach Palma) wohnen.
Die staatliche Verkehrsbehörde der Balearen (ATB - Autoritat del Transport de les Illes Balears) veröffentlicht aktuelle Busfahrpläne für alle Ostküsten-Linien, darunter die wichtige Linie 411 (Palma-Manacor-Porto Cristo) und Linie 412 (Palma-Cala Ratjada).
Fazit
Die Ostküste Mallorcas ist eine ernsthafte Option für Auswanderer, die nicht in Palma oder im Südwesten wohnen wollen. Cala Ratjada eignet sich gut für alle, die eine deutschsprachige Community und touristisch geprägte Infrastruktur schätzen. Son Servera ist der ruhige Geheimtipp für Familien. Porto Cristo und Manacor bieten echten Lokalcharakter und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Osten. Cala d'Or und der Santanyí-Bereich passen zu denen, die Komfort und Landschaft über günstige Mieten stellen.
Wie viele Menschen leben dauerhaft an der Ostküste Mallorcas? Etwa 40.000 gemeldete Einwohner verteilen sich auf die Gemeinden des östlichen Mallorcas (Capdepera, Son Servera, Sant Llorenç, Manacor), davon ein wachsender Anteil aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Bevor du dich für einen konkreten Ort entscheidest, lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Wohngebiete auf Mallorca im Überblick - dort findest du einen Vergleich aller Regionen der Insel.