Mallorca

Nómina verstehen: die spanische Gehaltsabrechnung erklärt

6 min read#nomina spanien verstehen
Sandor Farkas

Sandor Farkas

Gründer und Redaktion von Mallorca Plus

Begleitet Auswanderer und Residenten bei Behörden-, Wohn- und Alltagsfragen rund um das Leben auf Mallorca.

Die erste spanische Gehaltsabrechnung sorgt bei fast jedem Neuankömmling für Stirnrunzeln: Pagas extras, Contingencias comunes, ein Convenio, von dem du noch nie gehört hast, und am Ende ein Netto, das anders aussieht als erwartet. Wer seine Nómina in Spanien verstehen will, braucht keinen Steuerberater, aber ein paar Grundbegriffe. Dieser Beitrag geht die Abrechnung von oben nach unten durch, mit den Zahlen, die seit 2026 gelten. Nebenbei ist die Nómina auch dein Nachweis, dass dein Arbeitgeber dich korrekt bei der Sozialversicherung in Spanien angemeldet hat, und damit die Grundlage für Rente, Krankenversicherung und Arbeitslosengeld.

Auf einen Blick

Eine spanische Nómina besteht aus drei Blöcken: Devengos (Bruttobezüge), Deducciones (Abzüge) und dem Líquido a percibir (Auszahlungsbetrag). 2026 gehen 6,50 Prozent der Beitragsbasis als Sozialabgaben ab, dazu kommt der IRPF-Einbehalt als Steuervorauszahlung. Prüfen solltest du vor allem Convenio, Beitragsgruppe und Pagas extras.

So ist eine Nómina aufgebaut

Die Nómina ist die monatliche Gehaltsabrechnung in Spanien. Sie listet Bruttobezüge (Devengos), Abzüge (Deducciones) und den Auszahlungsbetrag auf und dient zugleich als Nachweis über gezahlte Sozialbeiträge und einbehaltene Einkommensteuer (IRPF).

Im Kopf der Abrechnung stehen die Daten deines Arbeitgebers und deine eigenen: Name, DNI oder NIE, Sozialversicherungsnummer, Eintrittsdatum (Antigüedad), deine Berufsgruppe (Grupo de cotización, eine Skala von 1 für Führungskräfte bis 11 für Hilfskräfte) und der anwendbare Tarifvertrag, der Convenio colectivo. Dieser Kopfteil wirkt unscheinbar, entscheidet aber über fast alles darunter: Der Convenio legt Mindestgehalt, Zuschläge und die Zahl der Sonderzahlungen fest, die Beitragsgruppe bestimmt die Mindestbeitragsbasis.

Auf Mallorca arbeiten viele Deutsche in Hotellerie und Gastronomie und fallen damit unter den Hostelería-Convenio der Balearen. Welcher Vertrag für dich gilt, muss auf der Nómina oder im Arbeitsvertrag stehen. Steht dort ein branchenfremder oder gar kein Convenio, ist das ein Warnsignal.

Devengos: Bruttogehalt, Zuschläge und Pagas extras

Der obere Block beginnt mit dem Salario base, dem Grundgehalt laut Convenio. Darunter folgen die Complementos: Zuschläge für Nachtarbeit, Sprachen, Verantwortung, Fahrtkosten oder was der Tarifvertrag sonst vorsieht. Manche dieser Posten zählen zur Beitragsbasis, andere (etwa bestimmte Spesen) nicht.

Dann kommt die Position, die deutsche Angestellte am meisten verwirrt: die Pagas extraordinarias. Das spanische Arbeitnehmerstatut garantiert mindestens zwei Sonderzahlungen pro Jahr, üblich sind eine im Sommer und eine zu Weihnachten. Deshalb sprechen Spanier von 14 Gehältern. Viele Firmen zahlen die Extras aber nicht als eigene Zahlung aus, sondern anteilig jeden Monat mit (Prorrata de pagas extras). Ob das erlaubt ist, regelt der Convenio. Auf der Nómina erkennst du die Variante an einer eigenen Zeile "Prorrata pagas extras" im Devengos-Block. Beide Modelle ergeben aufs Jahr gerechnet dasselbe Geld, nur der monatliche Betrag unterscheidet sich.

Achtung: Gehalt ohne Nómina

Bietet dir ein Arbeitgeber an, einen Teil des Gehalts bar und ohne Abrechnung zu zahlen, zahlst du drauf: Arbeitslosengeld, Krankengeld und Rente berechnen sich nur aus der offiziellen Beitragsbasis. Gerade in der Saisonarbeit ist das auf Mallorca leider noch verbreitet.

Deducciones: Sozialabgaben und IRPF-Einbehalt

Jetzt zum unteren Block, den Abzügen. Als Arbeitnehmer trägst du 2026 folgende Sozialbeiträge, festgelegt in der Beitragsordnung Orden PJC/297/2026:

  • Contingencias comunes (allgemeine Risiken wie Krankheit und Rente): 4,70 Prozent
  • Desempleo (Arbeitslosenversicherung): 1,55 Prozent bei unbefristetem Vertrag, 1,60 Prozent bei befristetem
  • Formación profesional (Berufsbildung): 0,10 Prozent
  • MEI (Mecanismo de Equidad Intergeneracional, ein Rentenzuschlag): 0,15 Prozent

Zusammen sind das 6,50 Prozent deiner Beitragsbasis, der Base de cotización. Diese Basis ist nicht einfach dein Monatsbrutto: Die Pagas extras werden anteilig eingerechnet, auch wenn sie erst im Juli oder Dezember fließen. Nach oben ist die Basis gedeckelt. Seit dem 1. Januar 2026 liegt die Höchstbemessungsgrundlage bei 5.101,20 Euro im Monat, was darüber liegt, bleibt beitragsfrei. Der deutlich größere Teil der Beiträge taucht auf deiner Nómina übrigens gar nicht auf: Der Arbeitgeberanteil liegt bei rund 30 Prozent zusätzlich zum Brutto.

Die zweite große Abzugsposition ist die Retención IRPF, der Einbehalt auf die spanische Einkommensteuer. Der Prozentsatz richtet sich nach Jahresgehalt, Vertragsart und Familiensituation und wird vom Arbeitgeber nach den Tabellen der Agencia Tributaria berechnet. Wichtig zum Einordnen: Das ist keine endgültige Steuer, sondern eine Vorauszahlung. Abgerechnet wird einmal im Jahr mit der Declaración de la Renta. Wie das als Angestellter abläuft, steht im Beitrag zur Steuererklärung als Angestellter in Spanien.

Tipp: IRPF freiwillig erhöhen

Du kannst deinen Arbeitgeber schriftlich bitten, einen höheren IRPF-Satz einzubehalten. Das lohnt sich, wenn du Nebeneinkünfte hast oder im ersten Jahr mit einem niedrigen automatischen Satz startest. So vermeidest du eine böse Nachzahlung bei der Renta im Folgejahr.

Wie viel wird in Spanien vom Bruttogehalt abgezogen?

2026 zahlst du als Angestellter 6,50 Prozent deiner Beitragsbasis an die Seguridad Social. Dazu kommt der IRPF-Einbehalt, dessen Höhe von Gehalt und Familiensituation abhängt. Bei niedrigen Gehältern kann er bei null liegen, bei höheren deutlich zweistellig ausfallen.

Nómina prüfen: Convenio, Beitragsgruppe und typische Fehler

Meine Empfehlung aus eigener Erfahrung: Nimm dir bei der ersten Abrechnung eine halbe Stunde Zeit und vergleiche drei Dinge. Stimmt der Convenio mit deiner tatsächlichen Tätigkeit überein? Passt die Grupo de cotización zu deiner Position? Und entspricht das Salario base mindestens dem Tariflohn deiner Kategorie? Die Tariftabellen der Balearen-Convenios sind öffentlich, deine Gestoría oder die Gewerkschaft hilft beim Nachschlagen.

Ob dein Arbeitgeber die Beiträge wirklich abführt, siehst du nicht auf der Nómina, sondern im Informe de vida laboral, den du kostenlos bei der Seguridad Social abrufen kannst. Einmal im Jahr anfordern und mit den Abrechnungen abgleichen, das dauert zehn Minuten und deckt die meisten Probleme auf.

Findest du einen Fehler, sprich zuerst die Personalabteilung oder Gestoría der Firma an, oft ist es ein schlichter Übertragungsfehler. Bleibt die Korrektur aus, kannst du ausstehende Gehaltsbestandteile einfordern, allerdings verjähren Lohnansprüche in Spanien nach einem Jahr. Hebe deshalb alle Nóminas auf, digital reicht. Was arbeitsrechtlich sonst noch für dich gilt, von Kündigungsfristen bis Abfindung, findest du im Überblick Als Angestellter auf Mallorca arbeiten.

Fazit

Eine Nómina liest sich nach kurzer Eingewöhnung leichter als eine deutsche Gehaltsabrechnung: oben das Brutto samt Zuschlägen und Pagas extras, unten 6,50 Prozent Sozialabgaben plus IRPF-Einbehalt, dazwischen die Beitragsbasis als Rechengrundlage. Entscheidend ist der Blick auf Convenio und Beitragsgruppe, denn dort entstehen die teuren Fehler. Wer die erste Abrechnung einmal gründlich geprüft und den Vida-laboral-Abgleich zur Jahresroutine gemacht hat, muss sich um das Thema danach kaum noch kümmern.

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