Als Angestellter auf Mallorca: Rechte und Jobsuche
Sandor Farkas
Mallorca-Experte & Autor
Als Angestellter auf Mallorca arbeiten ist eine Möglichkeit, die viele Auswanderer unterschätzen. Die meisten Guides drehen sich um Autonomo, Firmengründung oder das digitale Nomadentum. Dabei entscheiden sich viele Deutsche auf der Insel ganz bewusst für eine Festanstellung: sicheres Einkommen, Sozialversicherungsschutz und klar geregelte Rechte sind handfeste Vorteile. Wer als Arbeitnehmer auf Mallorca tätig ist, muss aber das spanische Arbeitsrecht kennen. Es unterscheidet sich in einigen Punkten erheblich vom deutschen System.
Auf einen Blick
Dieser Beitrag erklärt, wie ein spanischer Arbeitsvertrag aufgebaut ist, was von deinem Gehalt für die Seguridad Social abgezogen wird, welche Urlaubsansprüche und Sonderzahlungen gelten, wie das Kündigungsrecht funktioniert und wo du als Deutschsprachiger auf Mallorca eine Stelle findest.
Wie ein spanischer Arbeitsvertrag aufgebaut ist
Der spanische Arbeitsvertrag - auf Spanisch "contrato de trabajo" - muss bestimmte Pflichtangaben enthalten: Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Tätigkeitsbeschreibung, Arbeitszeit, Gehalt, Vertragsbeginn und ob es sich um eine Befristung handelt. In der Tourismus- und Gastronomiebranche auf Mallorca werden häufig befristete Verträge ("contrato temporal") abgeschlossen. Seit der Arbeitsrechtsreform 2022 sind Befristungen jedoch nur noch unter engen Voraussetzungen erlaubt. Nach 24 aufeinanderfolgenden Monaten entsteht automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.
Der Mindestlohn ("Salario Mínimo Interprofesional", kurz SMI) beträgt 2026 rund 1.184 EUR brutto pro Monat in 14 Zahlungen. Viele Tarifverträge ("Convenios Colectivos") liegen darüber. Für Bürojobs, IT-Positionen oder Stellen im Tourismus gibt es branchenspezifische Convenios - es lohnt sich, diese vor der Vertragsunterzeichnung zu lesen.
Tipp: Vertrag immer schriftlich verlangen
In Spanien ist ein mündlicher Arbeitsvertrag rechtlich zwar gültig, aber bestehe immer auf einem schriftlichen Vertrag. Nur so kannst du nachweisen, was tatsächlich vereinbart wurde - insbesondere Gehalt, Arbeitszeit und Probezeitvorgaben.
Was von deinem Gehalt für die Seguridad Social abgezogen wird
Das spanische Sozialversicherungssystem ("Seguridad Social") ist für angestellte Arbeitnehmer Pflicht. Anders als beim Autonomo teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge. Als Arbeitnehmer zahlst du in der Regel rund 6,35 Prozent deines Bruttogehalts ein - der Arbeitgeber trägt den deutlich größeren Teil, rund 29 bis 30 Prozent.
Zusätzlich wird vom Bruttogehalt die Einkommensteuer ("IRPF" - Retención) einbehalten. Die Höhe hängt von deinem Jahreseinkommen und deiner persönlichen Situation ab. Mehr dazu findest du im Ratgeber zur Steuerpflicht auf Mallorca.
Ein konkretes Beispiel: Bei einem Bruttogehalt von 2.000 EUR monatlich bleiben nach Sozialabgaben und einem durchschnittlichen IRPF-Abzug von rund 12 bis 15 Prozent ungefähr 1.560 bis 1.590 EUR netto übrig. Genaue Zahlen hängen von deiner gesamten Einkommenssituation ab - eine Gestoria kann das für dich durchrechnen.
Urlaub, Pagas und was du sonst noch wissen musst
In Spanien hast du als Arbeitnehmer Anspruch auf mindestens 22 Werktage bezahlten Urlaub pro Jahr, was 30 Kalendertagen entspricht. Viele Convenios sehen mehr vor.
Besonders überraschend für Deutsche sind die sogenannten "Pagas Extraordinarias" - gesetzlich verankerte Sonderzahlungen. Du hast Anspruch auf mindestens zwei Pagas im Jahr, typischerweise im Juni und im Dezember. Ein Jahresgehalt von 24.000 EUR brutto wird daher oft in 14 monatlichen Zahlungen ausgezahlt: zwölf reguläre Monatsgehälter plus zwei Pagas.
Weitere wichtige Punkte:
- Die ersten drei Krankheitstage zahlt der Arbeitgeber in Spanien in der Regel nichts. Ab dem vierten Tag greift die Seguridad Social mit einer Lohnfortzahlung von 60 Prozent des Bemessungsgehalts.
- Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dich bei der Seguridad Social anzumelden, bevor du deinen ersten Arbeitstag antritts.
- Du benötigst eine NIE-Nummer, bevor du eine Stelle annehmen kannst. Wie du sie beantragst, erklärt der Ratgeber zur NIE-Nummer auf Mallorca.
Kündigung und Abfindung: Was bei Beendigung gilt
Das spanische Arbeitsrecht unterscheidet zwischen einer gerechtfertigten Kündigung ("despido procedente") und einer ungerechtfertigten Kündigung ("despido improcedente"). Bei einer ungerechtfertigten Kündigung hast du als Arbeitnehmer Anspruch auf eine Abfindung von 33 Tagesgehältern pro Arbeitsjahr, begrenzt auf 24 Monatsgehälter.
Achtung: Kündigung schriftlich bestätigen lassen
Lass dir jede Kündigung schriftlich geben und prüfe, ob die angebotene Abfindung korrekt berechnet wurde. Im Zweifelsfall hilft ein Arbeitsrechtsanwalt oder die Gewerkschaft (CCOO oder UGT). Wer zu schnell unterschreibt, verzichtet möglicherweise auf berechtigte Ansprüche.
Wenn du selbst kündigst, gilt eine Kündigungsfrist, die je nach Convenio unterschiedlich lang ist - häufig 15 Tage. Eine Abfindung erhältst du in diesem Fall nicht. Auch eine einvernehmliche Auflösung ("baja voluntaria") gibt keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, während du bei einer ungerechtfertigten Arbeitgeberkündigung Anspruch auf das spanische Arbeitslosengeld ("paro") haben kannst, sofern du genug Beitragsmonate angesammelt hast.
Wo du als Deutschsprachiger auf Mallorca einen Job findest
Die Jobsuche auf Mallorca läuft oft über Netzwerke und Direktbewerbungen - weniger über klassische Stellenbörsen. Einige bewährte Wege:
- Infojobs.net und Indeed.es - die grössten spanischsprachigen Stellenportale
- LinkedIn - besonders für Büro-, Fach- und IT-Kräfte
- Facebook-Gruppen wie "Deutsche auf Mallorca" oder "Jobs Mallorca Deutsch" - überraschend aktiv
- Direktbewerbungen bei Hotels, Resorts und internationalen Unternehmen in Palma
- Personalvermittlungen, die auf Tourismus und Gastronomie spezialisiert sind
Besonders gefragt sind Deutschsprachige in der Gastronomie und im Tourismus, als Reiseleiter und Flugbegleiter, im Einzelhandel sowie in Kanzleien und Gestorías, die internationale Mandanten betreuen. Kenntnisse in Spanisch und Katalanisch verbessern deine Chancen erheblich.
Wer langfristig angestellt auf Mallorca arbeiten möchte, sollte sich auch mit den Leistungen der Seguridad Social vertraut machen - mit jedem Beitragsmonat baust du aktiv spanische Rentenansprüche auf.
Fazit
Als Angestellter auf Mallorca zu arbeiten bietet eine solide Grundlage: geregelte Arbeitszeiten, Sozialversicherungsschutz und klar definierte Rechte. Das spanische Arbeitsrecht ist nicht komplizierter als das deutsche - es ist nur anders. Wer die Besonderheiten kennt, Pagas einplant und weiss, wie Kündigungen gehandhabt werden, kann ohne böse Überraschungen in ein Arbeitsverhältnis starten. Wer parallel auch über eine selbstständige Tätigkeit nachdenkt, findet im Guide zur Autonomo-Anmeldung alle wichtigen Schritte.