Saisonarbeit auf Mallorca: Jobs im Tourismus
Sandor Farkas
Mallorca-Experte & Autor
Jedes Jahr kommen tausende junge Deutsche für die Sommersaison auf die Insel. Saisonarbeit auf Mallorca klingt verlockend: Sonne, Strand, ein paar Monate Geld verdienen. Doch wer gut vorbereitet anreist, hat klar die Nase vorn. Dieser Beitrag erklärt, wo du Jobs findest, was ein spanischer Saisonarbeitsvertrag enthält, welche Rechte du hast und was du am Ende der Saison unbedingt erledigen musst.
Auf einen Blick
Saisonarbeiter auf Mallorca arbeiten meist von April bis Oktober in Hotel, Gastronomie oder Tourismus. Du brauchst eine NIE-Nummer, wirst in die spanische Sozialversicherung eingetragen und hast Anspruch auf bezahlten Urlaub und Abfindung bei Vertragsende. Wichtig: Auch als Saisonarbeiter kannst du steuerpflichtig in Spanien werden.
Wo du Saisonjobs auf Mallorca findest
Die meisten Stellen werden über direkte Bewerbung besetzt, nicht über Jobportale. Schreib Hotels, Restaurants und Bars direkt an - am besten schon im Januar oder Februar, denn viele Betriebe bestätigen ihr Saisonteam früh. Trotzdem gibt es hilfreiche digitale Kanäle:
- Infojobs.net und Indeed.es: Größte spanische Jobplattformen, viele Einträge auf Mallorca
- Facebook-Gruppen: "Jobs Mallorca", "Deutsche auf Mallorca" und ähnliche Gruppen haben aktive Stellenausschreibungen
- LinkedIn: Für Managementpositionen in Hotels sinnvoll
- Touroperatoren: TUI, DERTOUR und andere Reiseveranstalter stellen Reiseleiter und Kinderbetreuung direkt ein
Die typischen Berufe in der Saison sind Kellner, Barkeeper, Rezeptionist, Animateur, Reiseleiter, Küchenhilfe und Hotelmitarbeiter. Für leitende Positionen sind Sprachkenntnisse in Spanisch oder Katalanisch ein klarer Vorteil.
Tipp: Direkt vor Ort bewerben
Wer bereits Ende März auf Mallorca ist, kann in Palma und den Touristenzentren direkt von Hotel zu Hotel gehen. Viele Betriebe stellen lieber jemanden ein, den sie kurz kennengelernt haben, als unbekannte Bewerber aus Deutschland.
Was du vor dem Start erledigen musst
Bevor du deinen ersten Arbeitstag antrittst, müssen einige bürokratische Schritte erledigt sein. Ohne NIE-Nummer kann dich kein Arbeitgeber legal anmelden.
Schritt 1: NIE-Nummer beantragen Die Número de Identificación de Extranjero ist deine Steuer- und Ausländeridentifikationsnummer in Spanien. Ohne sie ist keine legale Beschäftigung möglich. Die Beantragung läuft über die Ausländerbehörde (Comisaría de Policía) in Palma. Einen Termin buchst du vorab über das Online-System der Policía Nacional. Wie das genau funktioniert, erklärt unser Ratgeber zur NIE-Nummer.
Schritt 2: Spanisches Bankkonto Dein Arbeitgeber überweist den Lohn auf ein spanisches IBAN. Viele Saisonarbeiter nutzen N26, Revolut oder ein lokales Konto bei CaixaBank oder Santander. Das Konto lässt sich bereits in Deutschland mit deiner NIE-Nummer eröffnen.
Schritt 3: Empadronamiento Wer länger als drei Monate auf Mallorca lebt, sollte sich beim Einwohnermeldeamt der Gemeinde anmelden. Es ist keine Pflicht für Kurzzeit-Saisonarbeiter, aber praktisch für viele Behördenwege.
Dein Arbeitsvertrag und deine Rechte
Saisonverträge in Spanien sind befristete Verträge (Contrato Temporal). Dein Arbeitgeber ist verpflichtet, dich bei der Seguridad Social anzumelden - das ist die spanische Sozialversicherung. Damit bist du kranken- und rentenversichert. Alles Wichtige zur Anmeldung findest du im Ratgeber zur Sozialversicherung.
Was dein Vertrag enthalten muss:
- Vertragsart und Laufzeit
- Gehalt laut dem gültigen Tarifvertrag (Convenio Colectivo) deiner Branche
- Wöchentliche Arbeitszeit (maximal 40 Stunden)
- Urlaubsanspruch
Deine wichtigsten Rechte als Saisonarbeiter:
- Bezahlter Urlaub: Du hast Anspruch auf 2,5 Tage Urlaub pro gearbeitetem Monat, also 30 Tage bei einem vollen Arbeitsjahr. Da Saisonverträge kürzer sind, wird der Urlaubsanspruch anteilig berechnet oder am Vertragsende ausbezahlt.
- Pagas Extra: Spanische Arbeitnehmer erhalten zwei Sonderzahlungen im Jahr (Weihnachten und Sommer), jeweils ein Monatsgehalt. Bei einem befristeten Vertrag werden diese anteilig in jedem Monatsgehalt ausbezahlt.
- Finiquito: Bei Vertragsende erhältst du eine Abschlussabrechnung (Finiquito), die offene Urlaubstage und anteilige Pagas enthält.
- Überstunden: Überstunden müssen entweder ausbezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen werden.
Achtung: Schwarzarbeit
Manche Betriebe versuchen, Saisonarbeiter ohne Vertrag oder Sozialversicherungsanmeldung zu beschäftigen. Das ist illegal und schadet dir: Du bist nicht krankenversichert, sammelst keine Rentenpunkte und hast keinerlei Rechtsschutz bei Streitigkeiten.
Gehälter: Was du realistisch verdienen kannst
Die Löhne in der Gastronomie und Hotellerie auf Mallorca liegen oft knapp über dem spanischen Mindestlohn. Seit 2025 beträgt der Mindestlohn (Salario Mínimo Interprofesional) rund 1.184 Euro brutto pro Monat bei 40 Stunden pro Woche.
Typische Bruttogehälter in der Saison:
| Stelle | Bruttogehalt/Monat | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Küchenhilfe | 1.200 bis 1.400 EUR | Oft Kost und Logis inklusive |
| Kellner/Barkeeper | 1.300 bis 1.700 EUR | Trinkgeld on top |
| Rezeptionist | 1.400 bis 1.800 EUR | Sprachkenntnisse wichtig |
| Reiseleiter (TUI, DERTOUR) | 1.500 bis 2.200 EUR | Plus Prämien |
| Animateur | 1.200 bis 1.600 EUR | Oft Unterkunft inkludiert |
Trinkgeld ist in der Gastronomie üblich und kann das Nettogehalt spürbar aufbessern, wird aber in Spanien weniger großzügig gegeben als in Deutschland.
Steuern und Sozialversicherung als Saisonarbeiter
Ob du in Spanien steuerpflichtig bist, hängt von deiner Aufenthaltsdauer ab. Die entscheidende Grenze sind 183 Tage im Kalenderjahr. Bleibst du kürzer, bist du in Spanien nicht steuerresident und versteurst das spanische Einkommen trotzdem als Nicht-Resident über die IRNR (Impuesto sobre la Renta de No Residentes). In der Praxis übernimmt das meist der Arbeitgeber durch Lohnsteuerabzug.
Bleibst du länger als 183 Tage, wirst du steuerresident und musst im folgenden Jahr eine spanische Steuererklärung abgeben. Unser Ratgeber zur Steuerpflicht erklärt, was das für dich bedeutet.
Die Beiträge zur Seguridad Social werden direkt vom Lohn abgezogen. Als Arbeitnehmer zahlst du rund 6,35 Prozent deines Bruttogehalts, dein Arbeitgeber trägt den deutlich größeren Teil.
Am Ende der Saison: Was du erledigen musst
Wenn dein Vertrag ausläuft, gibt es einige Dinge, die du nicht vergessen solltest:
- Finiquito unterschreiben: Lies die Abschlussabrechnung sorgfältig durch. Stimmt die Summe nicht, bitte deinen Arbeitgeber um eine Erklärung, bevor du unterschreibst.
- Informe de Vida Laboral anfordern: Dieses Dokument zeigt deine gesamten Beitragszeiten in der spanischen Sozialversicherung. Es ist nützlich, wenn du später Rentenansprüche geltend machen willst. Kostenlos über die Seguridad Social App abrufbar.
- Steuerersatz prüfen: Hast du mehr Lohnsteuer gezahlt als eigentlich fällig? Das passiert bei Saisonverträgen häufig. Lass es von einem Steuerberater (Gestor) prüfen.
- Abmeldung in Deutschland: Bist du noch in Deutschland gemeldet? Prüfe, ob eine formale Abmeldung nötig ist.
Fazit
Saisonarbeit auf Mallorca ist eine echte Option für alle, die die Insel kennenlernen und dabei Geld verdienen wollen. Mit den richtigen Vorbereitungen - NIE-Nummer, Bankkonto, legaler Vertrag - bist du gut aufgestellt. Kenne deine Rechte, hol dir am Vertragsende dein Finiquito und prüfe deine Steuersituation. Wer das alles im Griff hat, kann die Saison auf Mallorca in vollen Zügen genießen.