Mallorca

Weihnachten auf Mallorca: Traditionen und Bräuche

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Sandor Farkas

Sandor Farkas

Gründer und Redaktion von Mallorca Plus

Begleitet Auswanderer und Residenten bei Behörden-, Wohn- und Alltagsfragen rund um das Leben auf Mallorca.

Weihnachten auf Mallorca fühlt sich anders an als in Deutschland, und das liegt weniger am milden Wetter als an den Bräuchen. Auf Katalanisch heißt das Fest "Nadal", und es beginnt nicht am ersten Advent, sondern mit dem 8. Dezember, der Inmaculada. Es endet erst am 6. Januar, wenn die Heiligen Drei Könige die Geschenke bringen.

Welche dieser Tage gesetzliche Feiertage sind und wann Behörden geschlossen bleiben, steht im Überblick zu den Feiertagen auf Mallorca. Termine, Märkte und was wann geöffnet hat, findest du in unserem Ratgeber Weihnachten auf Mallorca. In diesem Beitrag geht es um das, was bleibt, egal welches Jahr im Kalender steht: die Traditionen.

Auf einen Blick

Weihnachten auf Mallorca ist ein Familienfest mit eigenen Bräuchen: dem mittelalterlichen Sibyllengesang in der Christmette, den Krippen (Betlems), der Hausschlachtung (Matances) in den Dörfern, der Porcella auf dem Festtagstisch und den Reis, die am 6. Januar die Geschenke bringen.

Was ist Weihnachten auf Mallorca? Die Weihnachtszeit auf Mallorca reicht vom 8. Dezember bis zum 6. Januar. Anders als in Deutschland ist der 24. Dezember nicht der Tag der Bescherung. Viele Familien bekommen die wichtigsten Geschenke erst am Morgen des 6. Januar, wenn die Heiligen Drei Könige (auf Katalanisch "els Reis") kommen.

Der Sibyllengesang in der Christmette

Der eindrucksvollste Brauch der Insel gehört zur Christmette am 24. Dezember: der Cant de la Sibil·la. Eine junge Stimme in weißem Gewand schreitet mit einem aufrecht gehaltenen Schwert durch die dunkle Kirche und singt auf Katalanisch die Prophezeiung der Sibylle vom Jüngsten Gericht. Am Ende zeichnet sie mit dem Schwert ein Kreuz in die Luft.

Die Wurzeln des Gesangs reichen ins Mittelalter zurück. Nach dem Konzil von Trient verschwand er fast überall aus der Liturgie, nur Mallorca und die sardische Stadt Alghero haben ihn durchgehend bewahrt. Seit 2010 steht er auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Die bekannteste Aufführung ist die in der Kathedrale von Palma, gesungen wird die Sibil·la aber in fast allen Kirchen der Insel. In den Dörfern ist die Mette oft der Moment, in dem sich der ganze Ort trifft.

Betlems: Krippen statt Weihnachtsbaum

Auf Mallorca heißt die Krippe Betlem, und sie ist in vielen Familien wichtiger als der Weihnachtsbaum. Aufgebaut wird traditionell rund um den 8. Dezember, abgebaut nach dem Dreikönigstag. Typisch mallorquinisch sind handbemalte Tonfiguren und Nebenfiguren aus dem Dorfleben, vom Bauern bis zur Bäckerin, die um die eigentliche Geburtsszene herum ein ganzes Dorf entstehen lassen.

Neben den Krippen in Rathäusern und Kirchen gibt es die lebenden Krippen, die Betlems vivents: Bewohner eines Ortes stellen die Weihnachtsgeschichte in Kostümen nach, oft mit Handwerkern und Szenen aus dem früheren Alltag. Wo du Krippen findest, steht bei den Betlems auf Mallorca.

Matances: die Hausschlachtung im Winter

Ein Brauch, den Touristen fast nie zu sehen bekommen, sind die Matances. Zwischen November und Dezember schlachten Familien in den Dörfern gemeinsam ein Schwein und verarbeiten es an einem Tag zu Wurst für das ganze Jahr. Die Matances sind familiär und an das Dorf gebunden: Man hilft bei Verwandten oder Nachbarn mit, und jeder hat seine Aufgabe, vom Waschen der Därme bis zum Würzen.

Dabei entstehen die klassischen mallorquinischen Würste: die rote, streichfähige Sobrassada mit Paprika, der Botifarró, eine dunkle Blutwurst mit Gewürzen, und der Camaiot. Mittags gibt es Frit de matances, ein Pfannengericht aus frischen Innereien, Kartoffeln und Paprika, das es eigentlich nur an diesem Tag so frisch gibt. Die Saison der Matances reicht bis Sant Antoni am 17. Januar. Wer im Dorf lebt und gute Nachbarn hat, wird früher oder später eingeladen, und diese Einladung solltest du annehmen.

Porcella und Weihnachtsgebäck

Auf dem Festtagstisch steht in vielen Familien die Porcella, ein im Ofen gebratenes Spanferkel mit knuspriger Haut. Sie wird beim Metzger oder beim Bäcker vorbestellt und dort oft auch gebraten, weil kaum ein Haushaltsofen groß genug ist.

Zum Nachtisch und zum Kaffee gehören Turrón, der spanische Nougat in harter und weicher Form, Polvorones, mürbe Mandelplätzchen, die im Mund zerfallen, und Neules, hauchdünne, gerollte Waffeln, die gern in Cava getunkt werden. Die Neules findest du auch als Dekoration: Aus dem dünnen Teig ausgeschnittene Muster hängen traditionell in manchen Kirchen und Häusern.

Papá Noel oder die Reis?

Früher war die Sache klar: Geschenke bringen die Heiligen Drei Könige, und zwar in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar. Papá Noel, der Weihnachtsmann, ist über Film und Werbung dazugekommen. Heute machen es viele Familien halb und halb: eine Kleinigkeit am 25. Dezember, die eigentlichen Geschenke am 6. Januar.

Am Abend des 5. Januar ziehen die Könige in fast jeder Gemeinde mit einem Umzug ein, in Palma mit der großen Cabalgata de Reyes. Die Kinder stellen vorher ihre Schuhe bereit und legen Wasser und etwas Futter für die Kamele hin. Mehr dazu im Beitrag über die Heiligen Drei Könige auf Mallorca.

So läuft der 24. und 25. Dezember in den Familien

Der 24. Dezember, die Nit de Nadal, ist tagsüber ein Arbeitstag mit vollen Märkten und Bäckereien. Am Abend isst die Familie zusammen, oft bis spät. Wer religiös ist oder die Sibil·la hören will, geht danach in die Christmette.

Der 25. Dezember ist der Tag des großen Mittagessens. Es beginnt spät, zieht sich bis in den Abend und wird meist bei der älteren Generation gefeiert. Zu Hause bleibt dann Zeit für Turrón, Karten und lange Gespräche. Der 25. Dezember ist in ganz Spanien Feiertag. Der 26. Dezember (Segona Festa de Nadal oder Sant Esteve) ist auf den Balearen ein regionaler Feiertag, in vielen anderen autonomen Gemeinschaften Spaniens dagegen nicht. Viele Familien treffen sich an diesem Tag noch einmal, oft bei der anderen Hälfte der Verwandtschaft.

Am 28. Dezember folgt der "Día de los Inocentes", eine Art spanischer Aprilscherz: Zeitungen, Radiosender und Kinder erlauben sich Streiche, und man sollte an diesem Tag nicht alles glauben, was man liest.

Silvester und Neujahr haben in diesem Beitrag bewusst keinen eigenen Abschnitt. Der 31. Dezember ist auf der Insel zwei Tage in einem, vormittags die Festa de l'Estendard und abends die Campanadas an der Plaça de Cort, und er bringt eigene Fragen mit, allen voran die Heimfahrt in der Nacht. Das alles steht gesammelt im Ratgeber Silvester auf Mallorca.

Wie das Leben auf der Insel im Winter jenseits der Festtage aussieht, beschreiben wir im Artikel über den Winter als Resident. Alle Feste im Jahreslauf findest du im Veranstaltungskalender Mallorca 2026.

Fazit

Weihnachten auf Mallorca ist leiser und familiärer als in Deutschland, aber keineswegs ärmer an Bräuchen. Die Sibil·la in der Christmette, die Krippen mit ihren Dorffiguren, die Matances in den Dörfern und die Porcella auf dem Tisch gehören zu den Momenten, an denen du merkst, wie tief die Insel in ihren eigenen Traditionen steht. Den Abschluss bilden die Reis am 6. Januar, und danach beginnt mit Sant Antoni schon das nächste Fest.

Hintergründe zum Sibyllengesang und zu den Gottesdiensten in der Kathedrale findest du auf der offiziellen Website der Catedral de Mallorca.