Pflegegrad in Spanien beantragen: Ley de Dependencia
Sandor Farkas
Gründer und Redaktion von Mallorca Plus
Begleitet Auswanderer und Residenten bei Behörden-, Wohn- und Alltagsfragen rund um das Leben auf Mallorca.
Wenn ein Angehöriger auf Mallorca pflegebedürftig wird, stellt sich schnell die Frage nach staatlicher Unterstützung. Auch als deutscher Resident kannst du einen Pflegegrad in Spanien beantragen. Grundlage ist die Ley de Dependencia, das spanische Pflegegesetz. Der Antrag läuft über die Sozialdienste deiner Gemeinde, kostet nichts und braucht vor allem eines: Geduld. Hier erfährst du, welche drei Pflegegrade es gibt, wie der Antrag abläuft, welche Leistungen dir zustehen und was du tust, während du auf die Begutachtung wartest.
Auf einen Blick
Die Ley de Dependencia kennt drei Pflegegrade. Den Antrag stellst du bei den Sozialdiensten deiner Gemeinde, danach kommt ein Gutachterteam zu dir nach Hause. Auf den Balearen dauert das Verfahren im Schnitt rund 203 Tage. Als Leistungen kommen häusliche Hilfe, Tageszentren, ein Heimplatz oder Geldzahlungen in Frage, etwa für pflegende Angehörige.
Was die Ley de Dependencia regelt
Die Ley de Dependencia (Ley 39/2006) ist das spanische Pflegegesetz. Es legt fest, wer als pflegebedürftig anerkannt wird, teilt die Pflegebedürftigkeit in drei Grade ein und bestimmt, welche Sachleistungen und Geldzahlungen anerkannten Personen zustehen. Umgesetzt wird das Gesetz von den Autonomen Gemeinschaften, auf Mallorca also vom balearischen Govern.
Den Gesetzestext findest du im Boletín Oficial del Estado. Die drei Grade unterscheiden sich danach, wie oft am Tag jemand Hilfe bei den grundlegenden Verrichtungen braucht:
- Grad I (dependencia moderada): Hilfe ist mindestens einmal am Tag nötig, etwa beim Anziehen oder Waschen.
- Grad II (dependencia severa): Hilfe ist zwei- bis dreimal täglich nötig, eine ständige Betreuungsperson aber noch nicht.
- Grad III (gran dependencia): Hilfe ist mehrmals täglich nötig, dazu die dauerhafte Anwesenheit einer Betreuungsperson.
Das Ergebnis der Begutachtung entscheidet über den Grad, und der Grad entscheidet über den Umfang der Leistungen. Ein spanischer Pflegegrad ist übrigens etwas anderes als ein deutscher: Die Systeme rechnen sich nicht automatisch ineinander um, ein deutscher Pflegegrad 3 wird in Spanien nicht einfach übernommen.
Voraussetzungen für den Antrag
Fünf Jahre Aufenthalt in Spanien
Davon müssen zwei Jahre unmittelbar vor dem Antrag liegen. Bei Kindern unter fünf Jahren zählt die Zeit der Eltern.
Wohnsitz in einer Gemeinde der Balearen
Nachweis über das Empadronamiento, also den Eintrag im Einwohnerregister.
NIE und legaler Aufenthalt
Als EU-Bürger reicht die grüne Residencia-Bescheinigung plus NIE-Nummer.
Die Fünfjahresfrist überrascht viele Neuankömmlinge. Wer erst seit zwei Jahren auf Mallorca lebt, kann den Antrag noch nicht stellen und muss die Pflege so lange privat organisieren. Umso wichtiger ist es, das Empadronamiento von Anfang an sauber zu führen, denn genau darüber weist du deine Aufenthaltszeiten später nach.
So beantragst du den Pflegegrad
Unterlagen zusammenstellen
Antragsformular, NIE oder DNI, Empadronamiento-Zertifikat mit Historie und ein aktueller Gesundheitsbericht (informe de salud) des Hausarztes.
Antrag einreichen
Bei den Sozialdiensten (serveis socials) deiner Gemeinde oder online über die Sede Electrónica des Govern. Der Antrag ist kostenlos.
Begutachtung zu Hause
Ein territoriales Bewertungsteam vereinbart einen Termin und beurteilt vor Ort, wie viel Unterstützung im Alltag nötig ist.
Bescheid und Hilfsplan
Die Resolución mit dem festgestellten Grad kommt per Einschreiben. Danach wird im Programa Individual de Atención (PIA) festgelegt, welche konkreten Leistungen du erhältst.
Das Antragsformular und die Details zum Verfahren stehen auf der Seite der Generaldirektion für Pflege und Behinderung des Govern. Für die Online-Einreichung brauchst du ein Certificado Digital, der Gang zu den Sozialdiensten geht auch ohne.
Tipp: Beim Hausarzt anfangen
Der Gesundheitsbericht des Hausarztes wiegt schwer. Sprich vor dem Antrag mit deinem Centro de Salut und lass alle Diagnosen, Medikamente und Einschränkungen vollständig dokumentieren. Ein lückenhafter Bericht führt schnell zu einem niedrigeren Grad, als der Zustand rechtfertigen würde.
Diese Leistungen sind möglich
Welche Leistung du am Ende bekommst, hängt vom Grad und vom PIA ab. Das Gesetz sieht unter anderem vor:
- Teleassistenz, also ein Hausnotrufsystem
- Häusliche Hilfe (servicio de ayuda a domicilio)
- Platz in einem Tages- oder Nachtzentrum
- Platz in einem Pflegeheim
- Geldleistung für die Pflege durch Angehörige (prestación para cuidados en el entorno familiar)
- Zweckgebundene Geldleistung für einen privaten Pflegedienst, wenn kein öffentlicher Platz frei ist
Wie der Markt der privaten Anbieter auf der Insel aussieht und was häusliche Pflege kostet, haben wir im Beitrag über Pflegedienste auf Mallorca aufgeschrieben.
Für Deutsche gibt es noch eine zweite Schiene: Wer in Deutschland gesetzlich pflegeversichert war und Pflegegeld bezieht, kann es sich unter bestimmten Bedingungen auch nach Spanien weiterzahlen lassen. Die Details dazu stehen im Beitrag zur Pflegeversicherung auf Mallorca. Beide Ansprüche solltest du getrennt prüfen, denn sie schließen sich nicht automatisch aus.
Wartezeit: die ehrlichen Zahlen
Das balearische Govern stellt 2026 rund 207 Millionen Euro für die Pflege bereit, 31,7 Prozent mehr als 2023. Die Warteliste auf die Begutachtung ist dadurch um 15 Prozent gesunken. Trotzdem dauert das Verfahren auf den Balearen im Schnitt rund 203 Tage, und das ist bereits der beste Wert seit Beginn der Messreihe. Die Nachfrage wächst schneller als die Verwaltung: Seit 2019 ist die Zahl der Anträge auf einen Pflegegrad um 56 Prozent gestiegen. Das Sozialministerium in Madrid schickt für 2026 und 2027 zusätzlich 84 Millionen Euro auf die Inseln.
Wie lange dauert die Anerkennung eines Pflegegrads auf den Balearen? Im Schnitt rund 203 Tage vom Antrag bis zum Bescheid, Stand 2026. Rechne also mit gut einem halben Jahr und stelle den Antrag, sobald sich die Pflegebedürftigkeit abzeichnet, nicht erst im Notfall.
Was kostet der Antrag auf einen Pflegegrad in Spanien? Nichts. Antrag, Begutachtung und Bescheid sind gebührenfrei. Kosten entstehen nur, wenn du für die Übergangszeit privat einen Pflegedienst oder eine Betreuungskraft bezahlst.
Achtung: Wartezeit einplanen
Zwischen Antrag und erster Leistung liegt oft mehr als ein halbes Jahr. Plane für diese Zeit eine private Lösung ein und lege Geld dafür zurück. Wer den Antrag erst stellt, wenn die Pflege schon akut ist, überbrückt die Lücke komplett aus eigener Tasche.
Fazit
Einen Pflegegrad in Spanien zu beantragen ist kein Hexenwerk, aber ein langsames Verfahren mit einer harten Zugangshürde: fünf Jahre Aufenthalt, davon zwei direkt vor dem Antrag. Wer die Voraussetzungen erfüllt, geht mit Gesundheitsbericht und Empadronamiento-Nachweis zu den Sozialdiensten der Gemeinde und wartet danach im Schnitt rund 203 Tage auf den Bescheid. Die Leistungen reichen von häuslicher Hilfe bis zur Geldzahlung für pflegende Angehörige. Kläre parallel, ob deutsches Pflegegeld weitergezahlt wird, und sichere die Übergangszeit privat ab. Wie du die Gesundheitskarte beantragst und damit überhaupt ins öffentliche System kommst, erklärt unser Ratgeber Schritt für Schritt.
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