Mallorca

Das Gesundheitssystem auf Mallorca: Was du wissen musst

4 min read#Gesundheit
Sandor Farkas

Sandor Farkas

Mallorca-Experte & Autor

Gesundheit ist eines der wichtigsten Themen beim Auswandern. Das spanische Gesundheitssystem funktioniert gut, ist aber anders aufgebaut als das deutsche. Hier erkläre ich dir, worauf du achten musst.

Das öffentliche System (Seguridad Social)

Angestellte und Autónomos sind automatisch über die Seguridad Social versichert. Du bekommst eine Tarjeta Sanitaria (Gesundheitskarte) und hast Zugang zu Centros de Salud (Gesundheitszentren) und öffentlichen Krankenhäusern. Die Versorgung ist grundsätzlich gut, aber Wartezeiten können lang sein, besonders bei Fachärzten wie Orthopäden, Dermatologen oder in der Augenheilkunde.

Um die Tarjeta Sanitaria zu erhalten, meldest du dich nach der Anmeldung bei der Seguridad Social persönlich in deinem Centro de Salud an. Mitzubringen: NIE, Empadronamiento, Pass und das Dokument der Sozialversicherungsanmeldung (Modelo TA.1). Die Karte wird dir per Post zugeschickt oder du holst sie nach etwa zwei Wochen ab. Bis dahin erhältst du ein vorläufiges Dokument, das die gleiche Funktion erfüllt.

Rentner aus Deutschland nutzen in der Regel das Formular S1 ihrer deutschen Krankenkasse. Damit bleibst du formal in Deutschland versichert, wirst aber wie ein spanischer Versicherter behandelt. Der Weg: S1 bei der deutschen Kasse beantragen, in Spanien beim INSS (Instituto Nacional de la Seguridad Social) einreichen, anschließend im Centro de Salud anmelden.

Private Krankenversicherung

Viele Auswanderer wählen zusätzlich eine private Versicherung (Sanitas, Adeslas, Asisa, DKV, HanseMerkur International). Vorteile: Kürzere Wartezeiten, freie Arztwahl, oft auch deutschsprachige Ärzte. Kosten: 50 bis 200 EUR pro Monat je nach Alter, Vorerkrankungen und Leistungsumfang. Achte bei Vertragsabschluss auf Wartezeiten (copagos), Deckelung bei stationären Leistungen und die Liste der angeschlossenen Kliniken (cuadro médico).

Für Autónomos ist die private Versicherung häufig steuerlich absetzbar. Wer die Residencia über ein privates non-lucrative Visum erhält, braucht zwingend eine private Krankenversicherung ohne Copago und ohne Begrenzung der Deckungssumme - ein Punkt, der bei der Auswahl des Tarifs entscheidend ist.

Einen Arzt finden

Auf Mallorca gibt es mehrere deutschsprachige Ärzte, besonders in Palma und den touristischen Gebieten. Die Clinica Picasso in Palma, das Centro Médico Porto Pi und das German Medical Care in Santa Ponsa sind bekannte Anlaufstellen. Im Norden (Alcúdia, Pollença) und Osten (Cala Ratjada, Artà) findest du ebenfalls deutschsprachige Praxen, wenn auch seltener. Für Spezialisten brauchst du im öffentlichen System eine Überweisung vom Hausarzt (médico de cabecera), in der privaten Versicherung gehst du direkt zum Facharzt.

Online-Termine vergibt die Seguridad Social über das Portal der Ib-Salut oder die App „Cita previa Salut“. Für private Ärzte funktioniert die Plattform Doctoralia zuverlässig. Bei Sprachbarrieren kann dich ein Angehöriger oder Freund telefonisch begleiten - in öffentlichen Einrichtungen ist das ausdrücklich erlaubt.

Notfälle und Notaufnahme

Die Notrufnummer in Spanien ist 112 - sie funktioniert auch auf Deutsch und Englisch. Die Urgencias (Notaufnahme) im Hospital Son Espases in Palma ist rund um die Uhr erreichbar und eines der größten Krankenhäuser der Balearen. Private Kliniken wie die Clínica Rotger, Quirónsalud Palmaplanas und Hospital Juaneda Miramar bieten ebenfalls Notfallversorgung mit in der Regel kürzeren Wartezeiten, allerdings nur gegen Selbstzahlung oder mit entsprechender Privatversicherung.

Für kleinere Beschwerden außerhalb der Öffnungszeiten der Hausärzte gibt es die PAC (Punto de Atención Continuada), die rund um die Uhr im Centro de Salud erreichbar ist. Für touristische Notfälle im Sommer existieren zusätzlich die Centros Médicos de Urgencias in den größeren Orten.

Medikamente und Apotheken

Apotheken (Farmacias) sind gut ausgestattet und die Apotheker sehr kompetent - sie sind oft erste Anlaufstelle bei leichten Beschwerden. Viele Medikamente, die in Deutschland verschreibungspflichtig sind, bekommst du in Spanien rezeptfrei. Die Preise sind oft deutlich günstiger. Nacht-Apotheken (farmacia de guardia) findest du über Aushänge an jeder Farmacia, über die App „Portalfarma“ oder im Fenster der geschlossenen Apotheke.

Bei rezeptpflichtigen Medikamenten aus der Seguridad Social zahlst du einen prozentualen Eigenanteil, der von deinem Einkommen abhängt (Rentner 10 Prozent gedeckelt, Erwerbstätige 40 bis 60 Prozent). Privat versicherte Patienten zahlen zunächst voll und reichen die Quittung bei ihrer Versicherung ein.

Fazit

Das Gesundheitssystem auf Mallorca ist zuverlässig. Meine Empfehlung: Starte mit der öffentlichen Versicherung und nimm bei Bedarf eine private Zusatzversicherung dazu. Melde dich zeitnah bei deinem Centro de Salud an, lege dir die App deiner Krankenversicherung zurecht und speichere die 112 im Telefon. Wer regelmäßig Medikamente braucht, sollte zu Beginn einen Vorrat mitbringen und die spanischen Markennamen recherchieren - die Wirkstoffe sind identisch, die Handelsnamen variieren.